Sport : Kleine Misserfolge in schwierigen Zeiten

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Stefan Hermanns über Berlins unerfüllte Sehnsucht nach Anna Kurnikowa

Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. Irgendwann im Winter, wenn die Menschen in Berlin an Glühwein, Rodeln und Schneeschippen denken, gibt der örtliche Tennisklub RotWeiß die Starterliste für die German Open im Mai bekannt. Auf dieser Liste steht Jahr für Jahr auch der Name Anna Kurnikowa, ein Name, der die männlichen Massen immer noch in Verzückung versetzt. Teil zwei dieses Spiels folgt dann irgendwann im April, wenn die Bäume bereits blühen und die Menschen in Berlin die ersten lauen Nachmittage im Biergarten verbracht haben. Dieser Teil des Spiels versetzt niemanden in Verzückung: Anna Kurnikowa sagt ihre Teilnahme an den German Open ab. So wie gestern wieder. In der vergangenen Woche hat sie sich eine Zerrung zugezogen.

Irgendwas ist immer. Jedenfalls immer dann, wenn die russische Tennisspielerin in der deutschen Hauptstadt spielen soll. Vor drei Jahren hat Kurnikowa das zuletzt getan. Ach, Anna!

Aus sportlicher Sicht ist die Absage keine Katastrophe. In diesem Jahr ist die Russin bei fünf Turnieren angetreten, viermal unterlag sie in der ersten Runde, einmal in der zweiten. Die Internetseite eines Fans vermeldet in diesen Tagen als herausragende Nachricht aus Annas Welt: „Anna Kurnikowa kann in der Weltrangliste den 67. Platz halten.“ In schweren Zeiten sind die kleinen Dinge schon große Erfolge. Immerhin: Wäre Kurnikowa Deutsche, dann wäre sie die zurzeit zweitbeste Tennisspielerin des Landes.

Außerdem strahlt die Russin weit heller als all die deutschen Barnas und Weingärtners und Müllers; und ein bisschen Glanz holt sich jeder Turnierveranstalter gerne auf den Platz, auch wenn das gemeinsame Glück mit Anna K. meist auf ein Match beschränkt bleibt. Trotzdem sollte Rot-Weiß es wieder versuchen. Im nächsten Jahr.

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