Klitschko - Adamek : Ein Boxkampf mit Handicap

Witali Klitschko muss vor dem Kampf gegen den starken Polen Tomasz Adamek den Tod seines Vaters verarbeiten.

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Augen zu und druch. Trainer Fritz Sdunek präpariert Klitschko fürs Sparring. Foto: dpa
Augen zu und druch. Trainer Fritz Sdunek präpariert Klitschko fürs Sparring.Foto: dpa

Neulich hat Witali Klitschko seine Meinung zum Thema Sterbehilfe geäußert. Er sagte: „Ich finde, dass jeder Mensch, der nicht die Kraft zum Durchhalten hat, das Recht zum Sterben haben sollte. Wer Schmerzen nicht ertragen will, dem sollte geholfen werden, einen leichteren Abgang zu bekommen.“ Da sprach zwar der Boxweltmeister im Schwergewicht, er stand aber unter dem Eindruck seines gerade verstorbenen Vaters, der im Alter von nur 64 Jahren einem Krebsleiden erlegen war. Der Tod ist wahrscheinlich auf das Reaktorunglück in Tschernobyl vor 25 Jahren zurückzuführen. Klitschkos Vater war als Offizier der Luftwaffe im verseuchten Gebiet im Einsatz. „Menschen, die in einer Zone mit stark erhöhter Strahlung gelebt haben wie wir, haben ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Man muss das wissen, aber man darf nicht ständig daran denken, sonst wird man verrückt“, sagte Klitschko.

Er und seine Familie haben ein paar Wochen gebraucht, um den tragischen Fall einigermaßen zu verarbeiten. Ganz abgeschlossen ist der Prozess nicht. Dennoch habe er nicht daran gedacht, seinen nächsten Kampf zu verschieben. Der findet heute Abend statt (22.45 Uhr/RTL). Im mit 42 000 Zuschauern ausverkauften Stadion von Breslau trifft Klitschko auf seinen polnischen Herausforderer Tomasz Adamek. Mit diesem ersten WM-Duell im Schwergewicht auf polnischem Boden wird eine Fußballarena eingeweiht, in der im Sommer die Fußball-EM stattfindet.

„Er fehlt mir sehr“, sagte Witali Klitschko, als er unter der Woche in Breslau von Journalisten auf den Tod seines Vaters angesprochen wurde. Niemand weiß so genau, wie der Titelverteidiger diesen Schicksalsschlag weggesteckt hat. Vielleicht kommt ihm dabei sein Alter zugute. Kurz nach dem Tod seines Vaters im Juli wurde Witali Klitschko 40 Jahre alt. Ein stattliches Alter für einen Profisportler.

Für den um fünf Jahre älteren der Klitschko-Brüder wird es der 45. Profiboxkampf (42 Siege, davon 39 durch K.o.). Viele Experten rechnen mit einer klaren Angelegenheit, da der Pole Adamek, zwar selbst einmal Weltmeister (im Halbschwer- und Cruisergewicht) war, jedoch deutlich kleiner und leichter ist als der Zwei-Meter-Hüne aus Kiew. Adamek ist zwölf Zentimeter kleiner und 15 Kilogramm leichter. Andererseits gilt er als der boxerisch beste Gegner, den Klitschko je hatte. Adamek hat 44 seiner 45 Kämpfe gewonnen, davon immerhin 28 durch Knockout. „Tomasz ist einer der größten Kämpfer“, sagte Klitschko. Was soll er auch sagen, schließlich sind ihm und seinem Bruder die Gegner ausgegangen.

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