Sport : Knaller ohne Fairness

Skicross feiert eine spektakuläre Olympia-Premiere

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Gedränge auf der Piste. Die Skicross-Rennen boten das erwartete Spektakel. Michael Schmid (unten) gelang es am besten, Kollisionen...AFP

Cypress Mountain - Der deutsche Teamchef Wolfgang Maier sprach das aus, was fast alle Beobachter dachten. „Skicross hat sicher eine Zukunft. Das wird auch das Internationale Olympische Komitee genauso positiv werten“, sagte Maier nach dem Debüt der Disziplin am Cypress Mountain. „Es war ein Hammer. Und es hat so spektakuläre Bilder gegeben, dass die Deutschen merken, was für eine interessante Sportart es ist“, sagte Simon Stickl aus Bad Wiessee, der seinen Traum von einer Medaille als Achtelfinal-Dritter begraben musste.

Bei seinem Ausscheiden hatte Stickl allerdings auch die negative Seite der Sportart kennengelernt. Beim vorletzten Sprung war der Norweger Anders Rekdal direkt vor Stickl gestürzt, der Deutsche geriet ins Straucheln und wurde wenige Meter vor dem Ziel noch überholt. „Da muss man nachbessern. Ich kann das Ausscheiden nicht verstehen, weil ihm jemand vor die Füße gefallen ist“, sagte Wolfgang Maier, „das hat mit Fairness nichts zu tun.“ Mit zunehmender Bedeutung dieses Sports müsse es neue Regeln für die Sicherheit geben. Auch wenn sich Stickl ebenfalls ärgerte – für den 22-Jährigen macht die Mischung aus Sprüngen, Schikanen, Ruppig- und Unwägbarkeiten den Reiz seiner Sportart aus: „Das setzt viel Adrenalin frei, macht Riesenspaß. Wenn Du damit anfängst, kannst Du nicht mehr aufhören.“ Auch der Deutsche Martin Fiala, der 31. im Endklassement wurde, glaubt auf die olympische Initialzündung für Skicross. „Ich hoffe nun, dass die Medien darauf aufmerksam werden und die Verbände aufwachen. Sie müssen alle sagen: Das ist ein Knaller“, sagte der 42-Jährige. „Für mich war das hier wie eine Verjüngungskur. Ich durfte noch einmal als Athlet denken, leben und atmen.“

Wie sich die Strecke am besten meistern lässt, zeigte der erste Skicross-Olympiasieger der Geschichte. Der Schweizer Michael Schmid setzte sich in allen Rennen sofort an die Spitze, um Gerangel und Kollisionen aus dem Weg zu gehen. „Es ist immer einfacher vorne zu sein, als hinterher zu fahren“, sagte Schmid, der vor dem Österreicher Andreas Matt und Audun Groenvold aus Norwegen die Goldmedaille gewann. Am heutigen Dienstag startet der Wettbewerb der Frauen. dpa

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