Sport : Knapp, knapp, knapp

Trotz vorzeitiger Qualifikation für das Viertelfinale läuft bei deutschen Basketballern nicht alles nach Plan

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Von Matthias Krause

Indianapolis. Vor dem ersten Wort gab es den Blick auf die Statistik. Dann versuchte Dirk Nowitzki, seinen Frust in Sätze zu kleiden. Das klingt bei dem jungen Würzburger meistens moderat; der in Diensten der Dallas Mavericks stehende Basketball-Profi neigt nun mal nicht gerade zu Heißblütigkeit. Auch diesmal war es eher der gepresste Ton denn der Inhalt der Worte, der seinen Ärger verriet: „Anscheinend sind wir nicht schlau genug. Oder nicht erfahren genug. Wir müssen endlich einmal vier Viertel durchspielen."

Wieder einmal hatte die deutsche Nationalmannschaft eine knappe Partie gegen ein Spitzenteam verloren. Dass die deutsche Mannschaft dennoch das Viertelfinale bereits erreicht hat, machte die Sache kaum besser. 77:86 gegen Argentinien in der WM-Zwischenrunde, zweimal gegen die USA gut mitgehalten und doch verloren, gegen Weltmeister Jugoslawien beim Supercup in Braunschweig erst in der Verlängerung den Kürzeren gezogen – die deutschen Nationalspieler sehen darin eine fortwährende Linie eigener Unzulänglichkeit.

„Immer nur knapp, knapp, knapp“, fluchte der Berliner Marko Pesic, der sich gemeinhin weniger diplomatisch auszudrücken pflegt als Nowitzki. „Es reicht halt nicht, gegen Algerien, Neuseeland und China zu gewinnen. Die Großen zu schlagen, dazu sind wir aber nicht fähig." So universell der Ärger über die zweite Turnierniederlage in der Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) auch war, zeugte er auch von dem weiterhin intakten Betriebsklima. Schließlich wäre es leicht gewesen, diesmal mit dem Finger auf Nowitzki zu zeigen. Doch niemand gab der Versuchung nach, die Verantwortung abzuschieben, jeder suchte sie bei sich selbst.

Bundestrainer Henrik Dettmann rügte vor allem das mangelnde Defensiv-Verhalten seiner Spieler und konstatierte wieder einmal einen vorzeitigen Verlust an Ruhe und Geduld. Nowitzki nahm er ausdrücklich in Schutz: „Wir brauchen auch andere Optionen als nur Nowitzki, das hat man heute wieder gesehen.“ Es werde der Tag kommen, an dem die junge Mannschaft solche Gelegenheiten wie die gegen Argentinien nutze. Zum Schluss betätigte sich Dettmann in den Katakomben des Conseco Fieldhouse noch als Wetterprophet: „Ich sehe keine dunklen Wolken, ich sehe nur Sonne." Ein Silberstreif am Horizont hätte Nowitzki an diesem Abend schon gereicht. Seine Statistik erzählte nach dem Argentinien-Spiel von einer zweiten desaströsen Wurfausbeute. 15 seiner insgesamt 21 Punkte holte er sich von der Freiwurflinie (100 Prozent Trefferquote). Gleichzeitig erzielte er bei 17 Versuchen aus dem Feld ganze sechs Punkte, kein einziger von acht Würfen jenseits der Drei-Punkte-Linie fand das Ziel.

„Das hat schon gegen Neuseeland angefangen“, berichtete Nowitzki, „die Flugkurve des Balles ist einfach zu flach.“ Wie muss es weitergehen, damit die wichtigste Wurfhand des deutschen Basketballs den Ball wieder auf die richtige Flugbahn befördert? Nowitzki sagt nur: „Das Beste ist, das Spiel zu vergessen. Einfach immer nur nach vorn denken. Wenn man zu lange hadert, geht die nächste Partie gleich wieder in die Hose."

Sollte auch das nicht helfen, naht vielleicht Rettung aus Übersee. Nowitzkis väterlicher Freund und Mentor Holger Geschwindner soll in den nächsten Tagen planmäßig in Indianapolis eintreffen. Geschwindner, einst selbst Nationalspieler, hat Nowitzki nicht nur in unzähligen Stunden Individualtraining auf seine NBA-Karriere vorbereitet, sondern war bei seiner ersten Krise zur Stelle. Weil Neuling Nowitzki in seiner ersten Saison in der US-amerikanischen Profiliga sein Wurfgefühl verloren hatte, wurde Geschwindner eingeflogen, um die Sache zu richten. Die Operation des Shooting-Doctors, wie die Amerikaner solche Experten anschaulich nennen, gelang. Damals.

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