Sport : Knapp vorbeigerutscht

Martina Ertl wird bei der Ski-WM Vierte im Riesenslalom – Anja Pärson gewinnt ihr zweites Gold

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Santa Caterina Martina Ertl wollte ihre Tränen nicht zurückhalten, Anja Pärson schmiss sich vor Freude im Zielraum wieder mit einem Bauchklatscher in den Schnee. Die Schwedin hatte im Riesenslalom bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Santa Caterina bereits ihren zweiten Titel gewonnen, Ertl fehlten hingegen vier Hundertstelsekunden für die Bronzemedaille. „Bei zwei Zehnteln Rückstand wäre das etwas anderes gewesen. Aber so ist es bitter und tut schon weh“, sagte die 31-Jährige, während sie noch immer weinte. „Ich hätte bei meiner letzten WM gerne noch einmal eine Medaille gewonnen.“ Das Gefühl, knapp geschlagen zu werden, kennt Martina Ertl. 1998 wurde sie bei den Olympischen Winterspielen in Nagano innerhalb von 24 Stunden jeweils Vierte in Slalom und Riesenslalom, vier Jahre zuvor verpasste sie in Lillehammer als Abfahrts-Vierte die Bronzemedaille.

Es wäre die erste Medaille für den Deutschen Ski-Verband (DSV) bei diesen Weltmeisterschaften gewesen und eine, mit der nach dem bisher enttäuschenden Verlauf der WM schon fast keiner mehr gerechnet hatte. „Das wäre für uns lebensnotwendig gewesen“, sagte der Cheftrainer der Frauen-Mannschaft, Wolfgang Maier. Trotz der Enttäuschung wirkte der Coach gleichzeitig auch gelöst. „Wenn man im Weltcup auf dem vierten Rang landet, sprechen alle von einem Weltklasseergebnis. Wir werden den vierten Platz wie eine Medaille feiern, weil es so knapp war.“

Hätte Ertl eine Medaille gewonnen, wäre die Kritik an der Leistungsstärke des DSV-Teams schnell wieder leise geworden. Auch deshalb versuchte Maier, den knapp verpassten dritten Platz mit einem Medaillengewinn gleichzusetzen. „Wir waren dabei, wir waren dran. Bei vier Hundertstel kann man wirklich nicht erklären, woran es gelegen hat“, sagte Maier. Auch der Alpinchef des DSV, Walter Vogel, freute sich über die bislang beste Platzierung des DSV bei der WM: „Viele haben uns schon am Boden gesehen, aber wir leben noch.“

Nach dem ersten Lauf hatte Ertl noch auf dem sechsten Rang gelegen. Im zweiten Durchgang fuhr die KombinationsWeltmeisterin von 2001 zwar schneller als drei vor ihr platzierte Konkurrentinnen, doch sie wurde gleichzeitig von der US-Amerikanerin Julia Mancuso überholt, die nach dem ersten Lauf noch einen Platz und elf Hundertstelsekunden hinter Ertl gelegen hatte. Die Silbermedaille gewann die Finnin Tanja Poutiainen, Mitfavoritin Janica Kostelic war wegen einer Grippe gar nicht erst an den Start gegangen. Annemarie Gerg belegte den 17. Platz, Petra Haltmayr schied im ersten Lauf aus.

Die Leistung von Martina Ertl, die von ihrer Gehirnerschütterung nach dem Sturz im Super-G „nicht mehr viel spürte“, war auch deshalb eine positive Überraschung, weil sie in dieser Saison als Dritte in Maribor im Riesenslalom nur einmal auf dem Podium stand. Vor vier Wochen war sie beim Weltcuprennen auf der WM-Strecke in Santa Caterina nur 42. geworden.

Auch die Siegerin hatte nicht mit ihrem Erfolg gerechnet. „Dies ist ein unglaublicher, wundervoller Sieg für mich, zumal ich in dieser Saison im Riesenslalom gar nicht so gut gefahren bin“, sagte Anja Pärson. Die Schwedin hatte sich trotz ihrer Goldmedaille im Super-G nur wenig Hoffnungen auf einen Sieg im Riesenslalom gemacht. So wie Martina Ertl auf eine Medaille. Tsp

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