Sport : Knapp zum Silber

Hartmut Scherzer

Der Biathlon-Auftakt im sonnigen Postkarten-Panorama des Heber Valley, blauer Himmel, weiße Wasatch-Berge, hatte die deutsche Olympia-Prominenz angelockt. "Bei unseren Biathleten lohnt sich der Weg immer. Da gibt es stets Überraschungen", sagte Thomas Bach zu seinem Besuch in Soldier Hollow. Zur Überraschung von Andrea Henkel war der IOC-Vizepräsident allerdings zu spät von Georg Hackl herübergeeilt - aber nicht umsonst. Denn da gibt es ja noch jenen Frank Luck, der mit einer Nullserie die Silbermedaille im 20-km-Rennen schoss. Als der Norweger Frode Andresen drei der letzten fünf Patronen verballert hatte, lagen sich Teamchef Martin Löchle und Thomas Bach in den Armen. Aufgeregt informierte Bundestrainer Frank Ullrich seine Streckenposten: "Frank hat eine Medaille sicher. Welche, entscheidet er jetzt selber."

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Auf den letzten fünf Kilometern kämpfte der 34 Jahre alte Thüringer, "bis mir schwarz vor den Augen wurde". Der zweimalige Staffelolympiasieger wusste nach einem flüchtigen Blick auf die Anzeigetafel, dass er "nach vorne", gegen den exzellenten norwegischen Langläufer Ole Einar Björndalen (2 Fehler), Olympiasieger in Nagano, keine Chance hatte. 36,1 Sekunden fehlten schließlich. Aber mit dem Kraftakt nach der Schießkunst rettete Luck sein zweites Einzelsilber nach 1994 gegen den Russen Victor Maigourow (2 Fehler) mit 1:02 Sekunden über die Ziellinie. Thomas Bach riss jubelnd die Arme hoch. "Man fiebert doch mit. Und wenn man dann diesen bescheidenen, frischen Athleten auch noch persönlich kennt, hüpft das Herz natürlich." Ricco Groß (2 Fehler) wurde mit 55,4 Sekunden Rückstand Vierter, was NOK-Präsident Walther Tröger mit der Bemerkung würdigte: "Platz zwei und vier - die alten Leute räumen auf."

Sporthilfe-Chef Hans-Ludwig Grüschow hatte den Wechsel von Hackl zu Henkel geschafft, hatte er doch schon nach dem dritten Lauf ("Das ist vorbei") den Utah Olympic Park verlassen und war in Soldier Field auf Goldsuche gegangen. Und fündig geworden. "Ein tolles Ding. Wir freuen uns über die Prämie, die wir Andrea Henkel nun zahlen dürfen."

Frank Luck ist 34 Jahre alt und steht schon seit zwölf Jahren auf der Prämienliste der Sporthilfe. Seine fünfte Olympia-Teilnahme in vier Jahren in Turin mag er nicht ausschließen. Denn seine ruhige Hand beim Schießen ist eine vorteilhafte Alterserscheinung: "Der Puls schlägt nicht mehr so schnell."

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