Kölner Meckern : Die Fanfare der Fans

Wenn's nur Geißbock Hennes wär: Lorenz Maroldt über die Kunst des Meckerns beim 1. FC Köln.

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Einer geht noch. Auch Podolski (l.) sieht die Rote Karte von Kinhöfer.Foto: dpa

Das Meckern ist dem Kölner ein Wohlklang, jedenfalls dann, wenn er FC-Fan ist. Wenn in der Liga irgendwo ein Tor fällt, erklingt in den meisten Stadien ein Glöckchen oder eine Fanfare. In Köln wird zweimal kurz gemeckert – eine Verbeugung vor dem heimischen Maskottchen, dem Geißbock Hennes. Dies ist auch der Ton, den die meisten Anhänger auf ihren Handys als Klingelton gespeichert haben, und so meckert es unentwegt in den Bussen und Bahnen, die tausende Kölner zum Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals zum Zweitligisten FC Augsburg chauffierten. Unterwegs wurden die besten Adressen zum Übernachten in Berlin gehandelt, denn nach dem Halbfinale kommt bekanntlich das Finale und dann der Europapokal, deswegen wurden natürlich auch Wetten darüber abgeschlossen, wie das Spiel gegen Chelsea ausgeht. Nun, bis dahin ist noch viel Zeit; im Viertelfinale hatten einige Kölner Spieler zu viel gemeckert, jedenfalls für den Geschmack von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer.

Kinhöfer kommt aus Herne, da mag man das Meckern nicht so gerne. Aber auch Beifall klatschen oder ein nach oben zeigender Daumen kommen dort nicht so gut an, und ein erhobener Arm schon gar nicht. Deshalb mussten Podolski und Petit vom Platz; sie hätten es ahnen können. Für Adil Chihi kam das frühe Aus dagegen überraschend. Zweimal hatte ihn sein Augsburger Gegenspieler Youssef El-Akchaoui bei seinem Dribbling in der 30. Minute schon getreten, doch Chihi rannte einfach weiter. Also versuchte es El-Akchaoui mit einem Klammergriff, auch das vergeblich; dann sank er erschöpft zu Boden. Klarer Fall für Kinhöfer: Rot für Chihi.

Am nächsten Tag wollte kein Kölner ernsthaft behaupten, es habe alles nur am Schiedsrichter gelegen. Hätte der Bundesligist irgendwann weniger als sieben Spieler auf dem Platz gehabt, hätte Kinhöfer früher abpfeifen können. Es wäre für alle Beteiligten besser gewesen. Aber dafür haben die Kölner dann eben doch noch zu wenig gemeckert.

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