Sport : Kölzig allein im Tor

Die Eisbären blamieren sich mit einer 3:5-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Hannover

Claus Vetter

Berlin - Nach Spielschluss ereignete sich gestern eine Szene im Sportforum, die Olaf Kölzig an sich gefiel. Ein junger Fan der Berliner Eisbären kam auf den Torwart zu, klopfte ihm auf seine gepolsterte Hose und sagte: „Schön, dass du hier bist.“ Kölzig lächelte. „Die Fans sind schon toll hier, die Stimmung ist unglaublich in der Halle“, sagte er. Dabei konnte er es zu diesem Zeitpunkt im Sportforum nicht „toll“ finden. Groß waren die Erwartungen der Eisbären-Anhänger vor dem Heimdebüt des Torwarts, der nun in Berlin spielt, weil in der amerikanischen Eishockey-Profiliga NHL nicht gespielt wird. Und genauso groß war die Enttäuschung der Fans nach dem Spiel gegen die Hannover Scorpions. Pierre Pagé hat dafür Verständnis. „Volles Haus, erstes Heimspiel von Olaf und dann das“, sagte der Berliner Trainer. „Leider konnten wir das Drehbuch nicht schreiben.“ Denn das Drehbuch hatte ein trauriges Ende aus Sicht der Eisbären vorgesehen: Nach blamabler Darbietung unterlagen sie dem Tabellenletzten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vor 5000 Zuschauern 3:5 (2:1, 0:1, 1:3).

Kölzig hatte das Spiel nicht gewonnen, aber er hatte es auch nicht verloren. Das erklärte schon die ungewöhnliche Maßnahme, zu der sich Pagé sechs Minuten vor Spielende bemüßigt sah. Beim Stande von 2:5 nahm er Kölzig – vorübergehend – zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. „Weil wir sowieso so gespielt haben, als hätten wir keinen Torwart“, sagte Pagé. „Da war es doch besser, wenn wir mit sechs Spielern stürmen.“ Der Trainer attestierte seinen Spielern zu große „Offensivmentalität“. Zurecht. Denn für die Defensive interessierte sich sein Personal gestern weniger.

Exakt 73 Sekunden waren gespielt, da hatte Kölzig, der bei seinem Debüt beim 1:0-Sieg der Berliner in Köln am Dienstag noch ohne Gegentreffer geblieben war, sein erstes Tor in der DEL kassiert. Robert Hock war der Torschütze. Ein Unterschied im Spiel des Tabellendritten aus Berlin und des Tabellenletzten aus Hannover war danach selten zu sehen. Auch wenn Stefan Ustorf noch im ersten Drittel einen Schuss zum 2:1 für die Eisbären ins Hannoveraner Tor abfälschte.

Alles schien bis zu diesem Zeitpunkt noch planmäßig zu verlaufen. Doch die Führung brachte den Berlinern keinerlei Sicherheit. Im niveauarmen Mitteldrittel mussten sie das 2:2 durch Wayne Hynes hinnehmen. Im Schlussabschnitt ging es bei den Eisbären dann so schludrig zu wie bisher selten in dieser Saison. Kölzig wurde von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Fredrik Öberg, Jonas Lanier und Robert Hock trafen in den ersten vier Minuten des letzten Drittels für Hannover, jeweils weitgehend unbehelligt von Berliner Gegenspielern. Die Scorpions kamen zu einem völlig verdienten Erfolg. Daran änderte auch das dritte Berliner Tor durch Mark Beaufait in der hektischen Schlussphase nichts.

Unglücklicher hätte das Berliner Heimdebüt von Kölzig kaum verlaufen können. Gleiches galt für Nathan Dempsey, der neben Kölzig sein erstes Heimspiel für die Berliner absolvierte. Der NHL-Verteidiger beließ es bei einer sehr diskreten Vorstellung. Aber der Kanadier wird wie Kölzig in dieser Saison noch häufig Gelegenheit haben, auffälliger zu agieren als gestern: Denn auch am Samstag blieb eine weitere der zahllosen Verhandlungsrunden in der NHL ohne Ergebnis. Auch der ehemalige Eishockey-Star Wayne Gretzky konnte bei einem Treffen in New York keine Einigung zwischen Liga und Klubbesitzern herbeiführen. In der NHL wird diese Saison vielleicht noch viel geredet, aber kein Eishockey mehr gespielt.

Das Thema NHL interessierte Kölzig gestern allerdings nicht, zu groß war seine Enttäuschung über das erste Heimspiel für die Eisbären. „Das war ein verrücktes Spiel, mit blöden Toren und ungewöhnlichen Abprallern“, sagte er. Und dann fügte er hinzu: Es sei auch ein Spiel gewesen, mit einem Berliner Torwart, der besser spielen kann als gegen Hannover. „Am liebsten wäre mir, wenn wir schon am Montag in Nürnberg spielen würden.“ Diese Partie ist allerdings erst für Donnerstag terminiert. Erst dann hat Kölzig die Chance, seinen unglücklichen Einstand in Hohenschönhausen in Vergessenheit geraten zu lassen.

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