Sport : Köpfe voller Rätsel

Schalke kann sich das Pokal-Aus nicht erklären

Jörg Strohschein

Köln - Weil Hanspeter Latour ein stets höflicher Mann ist, verteilte er wie gewohnt Komplimente an den Gegner. „Die Schalker haben zu einem unterhaltsamen Abend beigetragen“, sagte der Trainer des Zweitligisten 1. FC Köln nach dem 4:2-Erfolg seines Teams, bei dem Thomas Broich und Adil Chihi mit ihren Treffern in der Verlängerung die Pokal-Überraschung perfekt machten. Dieses Lob Latours war wohl ernst gemeint, gerechtfertigt war es allerdings nicht.

Bereits in der ersten Halbzeit hatten die Gastgeber durch ein Eigentor von Dario Rodriguez und einen Treffer von Angreifer Milivoje Novakovic eine verdiente Führung herausgespielt und den Einzug in das Achtelfinale des DFB-Pokals vorbereitet. Die Schalker, als selbst ernannte Meisterschaftskandidaten in die Saison gestartet, kamen gegen den Zweitligisten kaum über die Rolle eines Sparringspartners hinaus. Nur durch individuelle Fehler der Gastgeber konnten sie sich durch Tore von Peter Lövenkrands und Dario Rodriguez zumindest noch bis in die Verlängerung retten. Doch über den Erfolg der Rheinländer gab es letztlich keine unterschiedlichen Auffassungen. Und so gestand auch Schalkes Trainer Mirko Slomka ein, dass „Köln der verdiente Sieger war“.

Dies bestätigte auch Schalkes Manager Andreas Müller, der an diesem Abend noch viele Fragen zu beantworten hatte. Denn wie bereits nach dem Aus im Uefa-Cup gegen Nancy wirkt das Team oft hilflos und hat keine Antworten gegen engagiertere Gegner zu bieten. „Das ist absolut enttäuschend, weil wir jetzt zwei Wettbewerbe leichtfertig verschenkt haben“, sagte Müller, der ratlos wirkte. „Da muss man die Spieler fragen, was in deren Köpfen vorgeht.“ Das Spiel seiner Mannschaft ist bisweilen einschläfernd, die Fehlerquote unerklärlich hoch, und Teamgeist scheint nicht vorhanden. Bislang hat Schalke offensichtlich noch kein Konzept entwickelt, um die vielen Individualisten zumindest in einer Art Interessengemeinschaft zusammenzubinden. Und Besserung scheint nicht in Sicht, vielmehr tragen die Eskapaden der Spieler zur stetigen Unruhe im Klub bei. So war es am Dienstag erst Zlatan Bajramvovic, der nach einer Tätlichkeit die Rote Karte sah und sein Team schwächte. Und der wieder einmal erschreckend schwache Kevin Kuranyi zog es nach seiner Auswechslung vor, die zweite Halbzeit alleine im Mannschaftsbus zu verfolgen.

Müller belegte Kuranyi mit einer Geldstrafe, versperrt sich aber bislang weiteren Maßnahmen. „Die Mannschaft hat die Qualität, wir glauben weiter an sie“, sagte er stoisch; auch Slomka genieße „absolutes Vertrauen“. Frank Rost gewann der Niederlage nach langem Suchen sogar noch eine positive Seite ab. Mit einem bitteren Grinsen sagte der Torhüter: „Jetzt können wir uns wenigstens auf die Bundesliga konzentrieren.“

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