Sport : Körbe machen statt Handtücher reichen

Der eingebürgerte Basketballer Chris Kaman hat die Freigabe für die deutsche Nationalmannschaft erhalten

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Später Freitagabend in Mannheim: Die Nachricht trifft im Hotel der deutschen Basketball-Nationalmannschaft ein: Chris Kaman darf spielen, weil das Ligabüro der nordamerikanischen Profiliga NBA die Versicherungsfreigabe erteilt hat. Erleichterung. „Wir freuen uns sehr. Besser spät als gar nicht, denn alle Beteiligten haben alles dafür getan und schließlich das fast schon Unmögliche möglich gemacht“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann. Der in den USA geborene Kaman wurde vor einer Woche eingebürgert, hatte in der Vorbereitung auf das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele aber nicht spielen dürfen. Sein Klub, die Los Angeles Clippers, verhinderten Kamans Einsatz. Weil der Klub Bedenken ob des Gesundheitszustands des 26 Jahre alten Centers hatte. Im April hatte sich Kaman eine Verletzung am Knöchel zugezogen, die Clippers bestanden auf einem Attest, das Kaman die nötige Fitness bescheinigte.

Kaman erreichte die Nachricht, als er gerade in der Mannheimer Arena trainierte. „Ich bin erleichtert, dass das Thema vom Tisch ist“, sagte er. Kurz vorher vorher hatte Kaman seinen zukünftigen Teamkollegen bei deren 84:74-Sieg im Testspiel gegen Kanada Handtücher und Wasserflaschen gereicht. Jetzt wird er am Dienstag im Spiel gegen die Kapverdischen Inseln auch auf dem Parkett helfen können. Dann beginnt für Deutschland das Qualifikationsturnier in Athen.

Allerdings waren nicht alle im deutschen Tross von der Spielberechtigung für Kaman begeistert. Denn Trainer Bauermann musste einen Profi aus seinen Kader streichen, um Platz für Kaman zu schaffen. Es traf Gordon Geib, den Guard von Bayer Leverkusen. „Er war enttäuscht“, sagte Wolfgang Hilgert, Vizepräsident des Deutschen Basketball-Bundes. Er hatte ausführlich mit Geib gesprochen. „Ihm war schon bewusst, dass er gute Leute vor sich hat und letztlich hat er es halt hingenommen“, sagte Hilgert. Die Entscheidung des Basketballbundes, abermals einen US-Amerikaner einzubürgern, war auch auf Kritik gestoßen, weil deutsche Spieler in ihrer Entwicklung gestört werden würden. Vor der Weltmeisterschaft 2002 wurde Shawn Bradley eingebürgert. Deutschland holte Bronze, Bradley aber half der deutschen Mannschaft nur bedingt weiter.

Von Chris Kaman wird mehr erwartet: Der 2,13 Meter große Center zählt zu den stärksten der NBA – in der vergangenen Saison erzielte er im Durchschnitt fast 16 Punkte pro Spiel und fing knapp 13 Rebounds. Ingo Schmidt-Tychsen

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