Sport : Körbe wie im Schlaf

Nowitzkis Klub im Halbfinale

Matthias B. Krause

Schlafwandler, so sagt man, tun Dinge mit unbeirrbarer Gelassenheit, denn sie wissen nicht, was sie tun. Vielleicht also waren es nicht nur Talent und Siegeswillen, die Dirk Nowitzki zu seiner außergewöhnlichen Leistung im finalen siebten Spiel gegen die Sacramento Kings brachten, sondern die Sicherheit des Unbewussten. Jedenfalls bekannte der Deutsche in Diensten der Dallas Mavericks nach dem 112:99-Erfolg in der Nacht zum Sonntag: „Ich habe mich die gesamte Serie über wie ein Schlafwandler gefühlt.“ Offenbar nicht unbedingt ein Nachteil beim Basketballspielen, Nowitzkis 30 Punkte und 19 Rebounds sorgten maßgeblich dafür, dass Dallas zum zweiten Mal in der Klubgeschichte im Finale der Western Conference, also im Halbfinale der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, steht. Dort treffen die Mavericks in der nach dem Modus „Best of seven“ gespielten Serie auf die San Antonio Spurs, den Bezwinger von Titelverteidiger Los Angeles Lakers.

Dass es auf und ab ging mit Nowitzki in den vergangenen Tagen, hatte auch mit seinem Trainer Don Nelson zu tun, der jedes Spiel etwas ausprobierte. Mal wollte er von seinem besten Korbschützen, dass der sich aufs Verteidigen konzentriert. Dann wieder sollte Nowitzki mehr daran denken, den Ball im Angriff zum besser postierten Mitspieler zu passen. Am Ende jedoch, als es um alles ging, kam Nelson auf Bewährtes zurück. Nowitzki durfte tun, was er am besten kann: den Ball in den Korb werfen.

Die wundersame Reise des Klubs aus Dallas geht weiter, die Situation bleibt die alte. So recht traute niemand den Mavericks einen Erfolg gegen die Kings zu, auch gegen San Antonio sind die Mavericks nur Außenseiter. Montag steht bereits der nächste Test für die Entschlossenheit des bislang als zu weich geltenden Teams aus Dallas an. Mittwoch folgt ein zweites Spiel in San Antonio, ehe die Serie dann Freitag nach Dallas kommt. Die Mavericks werden die Daumen drücken, dass sich Nowitzki weiterhin mit schlafwandlerischer Sicherheit auf dem Feld bewegt. Vielleicht hält dieser merkwürdige Zustand ja sogar bis in den Juni an, bis zum NBA-Finale.

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