Sport : Kollers Tor reicht Nürnberg nicht zum Sieg gegen Hansa

Christoph Ruf[Nürnberg]

Es hätte auch gut nicht erst der 19., sondern bereits der 34. Spieltag in Nürnberg sein können, an dem es um die Bilanz einer ganzen Saison geht. Im Stadtteil Zerzabelshof, vulgo „Zabo“, der Geburtsstätte vom 1. FC Nürnberg , hingen vor dem Anstoß doppelt so viele Fahnen wie üblich aus den Fenstern. Im Fanblock prangte ein riesiges Transparent mit mahnenden Worten: „Wacht auf, bevor es zu spät ist“, und es wurde das Metallica-Lied „For whom the bell tolls“ – zu deutsch: Wem die Stunde schlägt – eingespielt. 1:1 (1:1) endete die Begegnung mit Hansa Rostock dann.

„Wir sind nicht abgestiegen, das nicht“, befand Nürnbergs Coach Hans Meyer, „aber die Liga ist dramatisch geworden.“ Da halfen auch die sechs erinnernswerten Chancen von Nürnberg bis zur Halbzeit nichts, die meistens von Zvjezdan Misimovic eingeleitet wurden. Nach 25 Minuten musste Misimovic aber mit einem Bänderriss vom Platz, er fällt mehrere Wochen aus. Zuvor köpfte Neuzugang Jan Koller, einer der Besten auf dem Feld, eine Flanke von Jan Kristiansen zur 1:0-Führung ein. Dass das Publikum die Mannschaft dennoch mit Pfiffen in die Pause schickte, lag nicht nur am Ausgleichstreffer durch einen gänzlich ungestörten Heber von Christian Rahn, von ihm selbst als „überragend angenommen und traumhaft verwandelt“ kommentiert. Vielmehr hinterließ die Elf von Trainer Hans Meyer insgesamt einen wackligen Eindruck. Hansa wirkte besser organisiert und leichtfüßiger, erspielte sich aber schlicht zu wenige Torchancen. „Wir standen in der zweiten Halbzeit zu tief und kamen kaum mehr zu Kontern“, sagte Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf. Torschütze Rahn, der schon vor dem Spiel „so ein gutes Gefühl hatte“, sah das anders: „Wir wollten Nürnberg auf Distanz halten, hier wäre auch mehr als ein Punkt drin gewesen.“ In der zweiten Hälfte erhöhten die Gastgeber das Tempo, wirkten aber zunehmend verunsichert. Nennenswerte Emotionen entstanden erst, als der Zwischenstand aus Hannover durchgegeben wurde: Joshua Kennedy, den Hans Meyer im Winter leichten Herzens nach Karlsruhe hatte ziehen lassen, hatte seinen zweiten KSC-Treffer im zweiten Spiel erzielt. Außer einem Kopfball von Koller, der das Tor verfehlte, und einem von Adler verpassten Ball passierte in Nürnberg hingegen nichts mehr.

Der Ausgang des Spiels war mit Spannung erwartet worden, da die Leistung des Clubs am Rückrundenstart darauf hindeutete, dass man bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg kämpfen werde. Hans Meyer selbst hatte durch die mit einem lapidaren Zusatz („vielleicht nicht mit mir“) verknüpfte Ankündigung, „Ende Februar“ werde eine Bilanz gezogen, dafür gesorgt, dass seine Person zum beliebtesten Spekulationsobjekt rund ums Nürnberger Stadion wurde. Daran wird sich nach diesem Ergebnis nichts ändern.

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