Kolumne Meine Paralympics : Paralympics 2022 in Peking: Schnee von morgen

Winterspiele in Peking? Das wird insbesondere für die paralympischen Sportler eine Herausforderung. Dabei hätten die Funktionäre eigentlich aus den Spielen von Sotschi lernen können.

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Impressionen der letzten Spiele, das waren die Winterparalympics: Im März holte Anna Schaffelhuber in Sotschi ihre erste Goldmedaille bei Winter-Paralympics 2014.
Impressionen der letzten Spiele, das waren die Winterparalympics: Im März holte Anna Schaffelhuber in Sotschi ihre erste...Foto: Imago

Im Abregnen haben die Chinesen ja schon Erfahrung. Sie beschossen vor den Sommerspielen 2008 die Wolken mit Silberjodid, damit sich die smogverdreckten Wasserkristalle nicht ausgerechnet während der Spiele ins Stadion ergießen. Nun geht Peking in die Annalen der Olympischen Spiele und der Paralympics ein als erste Stadt, die nach Sommerspielen auch Winterspiele ausrichtet. Nach 2018 in Pyeongchang und 2020 in Tokio findet zum dritten Mal in Folge das größte Sportereignis der Welt in Asien statt.

Damit zeigen die Chinesen, die schon vor sieben Jahren oft mit flüsterleisen Elektromopeds zum Vogelnest fuhren, dass sie nachhaltig planen können: Für die Winterspiele 2022 sollen sechs der Wettkampfstätten von 2008 wieder genutzt werden. Allerdings sind in dem 1,4-Milliarden-Menschen-Land auch nachhaltig weiter die Menschenrechte nicht gesichert. Das trifft die behinderte wie die nicht behinderte Bevölkerung, zumindest darin herrscht Gleichberechtigung – na ja. So gar nicht nachhaltig werden aber die Winterparalympics nahe der Stadt Zhangjiakou in der Provinz Hebei, 200 Kilometer von Peking und nur knapp 2000 Meter hoch gelegen. Wintersport gilt dort als exotisch, und die Leute stehen staunend da, wenn sie überhaupt mal einen einbeinigen Skifahrer vorbeirauschen sehen.

Nun müssen die Wettertechniker die Kunst des Kunstschneeschöpfens für die sanft gewölbten Berghügel perfektionieren. Und wie haben etwa die Monositzskifahrer gerade erst bei den Winterparalympics im warmen Sotschi gelitten! Sie rumpelten über schwergängigen, aufgehäufelten Sulz. Kaum ein Wettkampftag verging, an dem nicht der Rettungshubschrauber schwer gestürzte Athleten in die Klinik fliegen musste. Man konnte teils gar nicht mehr hinsehen. So freut sich jetzt auch die fünfmalige alpine Goldmedaillengewinnerin Anna Schaffelhuber nicht wirklich. Monoskifahrer lenken ja sitzend ein vergleichsweise schweres Gefährt auf einem einzigen Ski die Pisten hinunter.

„Wir können nicht wie stehende Skifahrer mit den Beinen alles ausgleichen“, sagt Schaffelhuber. „Ich sitze auf einer Feder aus dem Motocross, wenn ich einen Schlag bekomme, schaukelt sich das auf.“ 2014 kam sie unfallfrei runter, weil sie nicht Vollgas gab. Was kontraproduktiv ist für einen Sportevent der Besten der Besten. Und auch die Exoten müssen eine Chance haben, im Ziel anzukommen. Der Kotrainer der deutschen paralympischen Mannschaft der Alpinen, Ex-Paralympionike Martin Braxenthaler, argumentiert hingegen, ohne Kunstschnee ginge auf Weltklasseniveau generell nichts mehr. Aber bei der Streckenwahl und dem Kursstecken dürfen die Verantwortlichen nicht mehr übers Ziel hinausschießen. Para-Skisport ist schon so attraktiv und spektakulär genug.

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