Kolumne : Mirko Slomka: "Lehmann ist ein Glücksfall"

An dieser Stelle schreiben Mirko Slomka, Marcel Reif, Fredi Bobic, Nadine Angerer und Lars Ricken im Wechsel. Heute ist Slomka dran, der ganz begeistert ist vom deutschen Nationaltorhüter. Warum? Das erklärt er hier.

Mirko Slomka
Slomka
Der Trainer. Bis April war Slomka Coach des FC Schalke 04.Foto: promo

Jetzt ist auch das geklärt. Robert Enke Nummer zwei und René Adler die Nummer drei. Und viel wichtiger noch: Jens Lehmann ist die Nummer eins. Viel schon ist über seine Qualitäten gesagt worden. Über ihn, Lehmann, den mitspielenden Torwart. Einen, der viel Erfahrung und Routine mitbringt. Mit seinen langen, präzisen Abwürfen trägt er maßgeblich zur Spieleröffnung bei. Gerade im Spiel am Sonntagabend gegen die Polen, die als nicht sonderlich kopfballstark gelten, wird diese Qualität gefragt sein. Flanken und Hereingaben von Standards abfangen und Konter einleiten, das könnte ein Schlüssel im Spiel der Deutschen sein. Doch es gibt im modernen Torwartspiel noch eine weitere Qualität, die nicht zu vernachlässigen ist, und die meiner Meinung nach auch viel stärker eingesetzt werden müsste: das Dirigieren der Abwehr.

Torhüter kommunizieren heute vermeintlich weniger als früher, weil die Aufgaben und die Zuordnungen ganz klar verteilt sind. Längst brüllen sie nicht mehr so oft durch den eigenen Strafraum wie noch zu Toni Schumachers Zeiten. Aber in der modernen Raumdeckung ist es wichtig, dass Torhüter gerade bei Standardsituationen die Spieler wachrütteln, Aufmerksamkeit und Konzentration schaffen. Zu glauben, man wisse durch minutiöses Videostudium jeden Laufweg des Gegners, ist ein Fehler. Oft führen die Abweichungen vom System zum Erfolg. Und auf die muss ein Torwart die Abwehr vorbereiten. Er muss sie mit seinen Anweisungen feinjustieren. Und gerade in besonderen Situationen, wenn ein Verteidiger am Spielfeldrand behandelt wird, ist die Kommunikationsfähigkeit eines Torwarts gefragt.

Hier bekommt das Attribut Erfahrung eine konkrete Bedeutung. Denn Ansagen eines Jens Lehmann sind mit einer glaubhaften Autorität versehen und entsprechend wirksam. Besonders dann, wenn die Abwehr eingespielt ist und kurze prägnante Signale ausreichen. Insofern ist es ein Glücksfall, dass das Dreieck Lehmann – Mertesacker – Metzelder bei dieser EM auch wieder dabei ist

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