Kolumne: So läuft es : Der Notausgang beim Sportfasten

Marathon fordert dem Körper alles ab. Deswegen ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu hören. Das merkt auch unser Kolumnist beim Sportfasten.

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Hörbare Bewegung. Weise Läufer beachten die Signale des Körpers.
Hörbare Bewegung. Weise Läufer beachten die Signale des Körpers.Foto: dpa

Wer Marathon läuft, wer gar Ultra-Marathon läuft, und beide Disziplinen kenne ich gut, der ist es gewohnt, sich zu quälen. Die letzten Kilometer solcher Strecken verlangen dem Körper alles ab. Und auch der Psyche. Wer nicht mit sich im Einklang ist, der schafft solche Distanzen nicht. Wer nicht gut vorbereitet ist, auch nicht. Es kommt aber der Punkt, an dem man sich fragen muss: Macht es noch Sinn, die Signale des eigenen Körpers zu ignorieren? Ich bin der Meinung: Kann man machen, aber dann ist es halt schlecht!

Wer nicht auf den eigenen Körper hört, geht das Risiko ein, eben diesen zu schädigen. Und zwar nachhaltig. Bereits am Anfang des Sportfasten-Versuchs, in der sogenannten Abbauphase, rebellierte mein Körper gegen die Aminosäuren. Diese wurden in 1,5 Liter Wasser aufgelöst, ich trank sie über den Tag verteilt. Immer wieder hatte ich ein beinahe schmerzhaftes Kribbeln in den Nebenhöhlen.

Die Aminosäuren stellten Dinge mit meinen Nerven an, die mein Körper komplett ablehnte. Zudem muss man an dieser Stelle klar und deutlich sagen: Wer Sportfasten will, macht das besser im Urlaub. Denn man ist keinesfalls in der Lage, normal zu arbeiten. Die Konzentration lässt enorm nach. In meinem Fall kamen recht starke Gleichgewichtsprobleme hinzu, die in der Tat gefährlich wurden. Ich war am ersten richtigen Fastentag (Tag vier des Programms, erster von drei Fastentagen) zum Hinschmeißen bereit. Klare Jacke: Ich bin nicht der Typ, der Aminosäuren und andere Pillen in den Körper jagt.

Ich nahm den Notausgang. Und ich bin mir sicher, es war die richtige Entscheidung

Ich bin der Typ, der sehr genau auf seinen Körper hört. Und wohl auch deshalb seit fünf Jahren komplett ohne Verletzung ist. Obwohl ich täglich 20 bis 25 Kilometer laufe, am Wochenende und in der Marathon Vorbereitung mehr. Besonders wichtig: Mein Körperfettanteil liegt bei sechs bis sieben Prozent. Reserven sind also nicht vorhanden. Woher soll sich mein Körper also noch etwas holen? Und für das Fasten braucht der Körper Rücklagen. Im Dialog mit meinem Sportfasten-Coach Stephan Nüsser plante ich quasi den sinnvollen und geplanten Notausstieg. „Lass die Hälfte der Aminosäuren weg und starte morgen wieder mit dem Aufbauen. Dann verkürzt du zwar, solltest aber in etwa zwei Wochen eine Leistungssteigerung dennoch spüren“, lautete sein Rat.

Ich nahm den Notausgang. Und ich bin mir sicher, es war die richtige Entscheidung. Beim Amsterdam Marathon im Oktober werde ich sehen, ob es zu der versprochenen Leistungssteigerung kommt. Klar ist jedoch: Erfahrene, durchtrainierte Läufer mit wenig Körperfett, sollten eher Abstand vom Sportfasten nehmen.

Die Reserven reichen schlicht nicht aus. Jeder, an dem ein bisschen was dran ist, wird bessere Chancen haben. Es gibt einen wirklich wertvollen und wunderbaren Lerneffekt aus diesem Versuch. Erstens: Vermeidet den Zucker im Essen. Er macht euch krank. Esst viele frische Sachen, nehmt nur gute Fette zu euch. Und zweitens: Hört bei jedem Lauf in euren Körper. Alleine er entscheidet, was gut für Euch ist, und was nicht. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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