Kolumne: So läuft es : Wer läuft, muss sich wohlfühlen

Wer ein wenig Laufrebell sein will, der sollte viel und Außergewöhnliches ausprobieren, findet unser Laufkolumnist. Zum Beispiel in Golfkleidung laufen. Oder im Bike-Oberteil.

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Mehrere tausend Läufer bewegen sich durch die Innenstadt von Frankfurt am Main.
Mehrere tausend Läufer bewegen sich durch die Innenstadt von Frankfurt am Main.Foto: dpa

Vor einigen Wochen hatte ich diese peinliche Situation, vielleicht erinnern Sie sich: Ich hatte wie immer auf Dienstreise einen Extrakoffer voller Laufsachen dabei, aber meine Laufhose vergessen. So beschloss ich, in einer herkömmlichen hippen Skinny-Jeans durch München Bogenhausen zu laufen. Mega peinlich, aber auch ein Riesenspaß. Die wohl größte Erkenntnis und Verblüffung gleichzeitig: Die Jeans war besser zum Laufen geeignet als manche teure Lauftight. Weil atmungsaktiver, weil gemütlicher – und hipper sowieso. Schon länger stelle ich mir die Frage: Sind die ausgewiesenen Laufsachen auch wirklich die geeignetsten? Oder sind Millionen von Läufern einfach nur ein gefundenes Fressen für die Marketingabteilungen großer Laufbekleidungshersteller, die mit minimalem Aufwand teures Plastik schön designet unter die Läufer bringt?

Laufen in Golfbekleidung

Ein Mann, der mir in diesem Zusammenhang seit Jahren immer wieder auffällt, ist der ehemalige Mitinhaber von Odlo, einer der renommierten Laufmarken, Didi Serena. Er hat vor vielen Jahren Odlo den Rücken gekehrt, weil er die Philosophie der Marke nicht weiter mittragen wollte. Beim Golfspielen traf er einen der größten Skifahrer aller Zeiten, den Norweger Lasse Kjus. In den 1990er Jahren gewann Kjus 18 Weltcuprennen, ist mehrfacher Weltmeister und auch Olympiasieger. Und nie war Lasse Kjus zufrieden mit seiner Ausrüstung. Und Didi Serena kehrte Odlo den Rücken, um wieder Bekleidung zu schaffen, die den Unterschied macht, die Seele und Sinn hat. Heute ist die Marke Kjus die feste Größe für Ski- und Golfbekleidung auf sehr hohem Niveau. Wie mit der Jeans vor einigen Wochen kam ich auf eine kecke Idee: Würde Didi Serena mit mir eine Runde laufen? In der Schweiz? In Golfklamotten? Und würde die Bekleidung nicht nur lässig aussehen, sondern auch funktionieren? Und wir sind gelaufen, am Golfplatz vorbei, in Golfklamotten. Auch wenn ich mich ähnlich beobachtet fühlte wie kürzlich in Jeans, es war ein großer Spaß.

Machen Sie sich frei vom Marketing

Wem das zu keck und gewagt ist, sollte vielleicht einmal den einen oder anderen Hersteller für Outdoorkleidung versuchen. „Maloja“ aus Bayern könnte hier eine gute Alternative sein. Sie schaffen einen tollen Mix aus Funktionalität und Lifestyle. Eine Marke, die nicht einfach zu kriegen ist. Aber Verarbeitung wie zum Beispiel die der Nähte ist einfach robuster als bei klassischer Laufkleidung. Und die Auswahl der Designs wesentlich breiter. Wer immer schon ausreichend Taschen an Laufoberteilen vermisst hat, kann es mit Fahrradkleidung probieren. Bei Bike-Oberteilen sind gerade am Rücken jede Menge Taschen eingearbeitet. Meist haben diese Teile auch den Vorteil, dass sie bis über die Nieren reichen. Was im Winter ein enormer Gewinn sein kann. Die englische Marke „Rapha“ verbindet auch hier wieder Lifestyle und hohe Funktionalität. Wer ein wenig Laufrebell sein will, der sollte viel und Außergewöhnliches ausprobieren. Das vielleicht Wichtigste überhaupt ist jedoch, dass man sich einmal auf etwas anderes einlässt, um seinen Horizont an Laufkleidung zu erweitern. Machen Sie sich frei von Marketing. Freiheit beginnt dann, wenn Sie sich wohlfühlen. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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