Kolumne: So läuft es : Hör auf, mich zu stalken!

Unser Kolumnist läuft gerne und lässt das auch viele wissen. Einer hat offenbar ein Problem damit.

Mike Kleiss ist genervt von einem Stalker.
Mike Kleiss ist genervt von einem Stalker.Foto: dpa

Lieber Läufer X, immer wieder schleimst du dich ein, schlägst dich auf meine Seite. Kommst mir als Läuferfreund. Ich habe nie eine große Sache aus der Lauferei gemacht, ich laufe halt. Weil es mir gut tut, weil es mich gesund macht, weil es mir Energie gibt. Wenn ich Lust auf eine gute Zeit habe, dann laufe ich schneller. Wenn nicht, dann nicht. Du seist auch so. Sagtest du. Immer wieder. Entspannt eben. Ich schreib übers Laufen, Und ich bin angetreten, um den ein oder anderen zu motivieren. Ich freu mir ein Loch in den Fuß, wenn das klappt.

Ich laufe Marathon. Und manchmal auch mehr. Ich schreibe und spreche nie über Ergebnisse oder Zeiten, sondern über das, was man beim Laufen so erleben kann. Findest du gut, sagtest du immer. Ich hab dir das echt geglaubt. Sag mal, warum durchforstest du dann die Starterlisten der Marathons, die ich so laufe? Und warum kannst du mir schneller meine Zeit sagen, als ich im Ziel überhaupt angekommen bin? Und warum stalkst du jeden Kilometer, den ich in welcher Zeit gelaufen bin? Und warum fragst du mich so scheinheilig: „Und? Bestzeit?“, obwohl du die Zeit längst weißt? Und wenn ich dann sage: „Keine Ahnung. Ich hatte keine Uhr an. Habe es einfach genossen“, dann erzählst du deinen Läuferkumpels etwas über den altersschwachen Kleiß, der ein besserer Walker ist.

Ich habe das recht lange weggelächelt. Weil man sich Neid und Missgunst auch erstmal verdienen muss. Du hast mir auch immer ein wenig leid getan. Weil du viele Freunde in den sozialen Netzwerken hast, aber nicht im richtigen Leben. Du lebst digital, und das einzige Licht, das bei dir brennt, ist das deines Computers. Das tut mir wirklich leid. Das Laufen verschafft dir Anerkennung, deshalb läufst du schon vor der Arbeit täglich einen Halbmarathon. Und weil nicht viel Zeit am Morgen ist, läufst du ihn so schnell du kannst. Auf dem Laufband. Das geht alles in Ordnung, wirklich. Aber hör auf, mich zu stalken. Und spiel gerne auf anderen Kommentarfeldern als Troll. Anonym. Im Netz. Irgendwo.

Wenn du jeden Lauf schneller läufst alle anderen, als ich, dann freut mich das. Wenn dir Liebe fehlt, Anerkennung, Wertschätzung in deinem Leben, dann schütte ich dich gerne damit zu. Wenn ich Dich aber wieder dabei erwische, wie du dich über andere Läufer lustig machst, wenn du sie auslachst, weil sie einfach nur für sich laufen und stolz darauf sind. Wenn du sie wegen deines eigenen inneren Schmerzes beleidigst und demotivierst, sie wegen ihrer Zeiten auslachst, dann breche ich dir beide Kniescheiben und nagle ich dir einen Satz von Coco Chanel an den Kopf: „Es gibt eine Zeit für die Arbeit. Und es gibt eine Zeit für die Liebe. Mehr Zeit hat man nicht.“ So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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