Kombination : Der Feind in meiner Spur

Die Kombinierer Björn Kircheisen und Ronny Ackermann kämpfen gegeneinander um die Weltcupführung.

Benedikt Voigt
Kircheisen
Vor-Sprung. Björn Kircheisen siegt in Ramsau vor Ronny Ackermann. -Foto: dpa

Berlin - Es gibt eine Geschichte, die Hermann Weinbuch in letzter Zeit häufiger erzählen muss. Sie handelt von zwei finnischen Kombinierern, Samppa Lajunen und Hannu Manninen, die sich gegenseitig nicht leiden konnten. „Sie waren keine großen Freunde“, sagt der Bundestrainer der Nordischen Kombination, „im Rennen haben sie sich manchmal sogar gegenseitig behindert – und dann siegten andere Nationen.“ Vor kurzem erst hat Hermann Weinbuch diese Geschichte Björn Kircheisen erzählt. Und Ronny Ackermann auch.

Er tat es aus aktuellem Anlass, denn seiner Mannschaft drohen finnische Verhältnisse. „Die Rivalität zwischen Björn Kircheisen und Ronny Ackermann ist schon so etwas wie eine tickende Zeitbombe“, sagte Weinbuch am Wochenende. Die beiden deutschen Kombinierer haben sich noch nie durch eine tiefe Freundschaft ausgezeichnet, doch nun verschärft die sportliche Situation ihr Konkurrenzverhältnis. Am Samstag nahm Björn Kircheisen seinem Teamkollegen mit einem Sieg im Massenstartrennen das Gelbe Trikot des Führenden im Weltcup ab, am Sonntag im Sprint verwies er Ackermann auch noch im direkten Duell in der Loipe auf Platz zwei. Dritter wurde Tino Edelmann, ein weiterer Deutscher. Eigentlich ein Grund zum Feiern, doch Ackermann soll sich laut Deutscher Presseagentur anschließend über einen Teamkollegen beschwert haben. „Schöner wäre es gewesen, wenn Björn Kircheisen sich mit mir in der Führung abgewechselt hätte.“ Weinbuch erklärte am nächsten Tag, Ackermann habe das nicht gesagt.

Auf den Bundestrainer wartet in den nächsten Wochen eine schwere Aufgabe. Seine beiden rivalisierenden Athleten führen den Weltcup an, nun gilt es, beide exakt gleich zu behandeln. Die Nordische Kombination ist kein Radsport, in dem ein Mannschaftskapitän benannt wird. Es ist ein Individualsport. Dabei genießt Ronny Ackermann als viermaliger Weltmeister und dreimaliger Olympia-Silbermedaillengewinner kleine Sonderrechte. Als einzigem steht dem 30-Jährigen ein eigener Wachser zur Verfügung. Doch Kircheisen scheint Ackermann jetzt den Rang abzulaufen. Von den bisher sechs Weltcup-Wettbewerben hat der 25-Jährige drei gewonnen. „Er hat weiter dazugelernt“, sagt Weinbuch, Kircheisen ernähre sich bewusster, habe sich im Sprung und im taktischen Bereich verbessert. „Früher ist er die Rennen oft zu schnell angegangen“, sagt der Bundestrainer. Eigentlich müsste er glücklich sein über die starken Leistungen seiner Kombinierer, zumal der 19-jährige Eric Frentzel auf Rang acht im Gesamtweltcup rangiert und Tino Edelmann auf Rang 14. Wenn da nicht die eskalierende Rivalität seiner besten Athleten wäre.

„Ich spreche ständig mit beiden“, sagt Hermann Weinbuch, „die Frage ist, ob ich sie überhaupt noch erreichen kann.“ Er habe den Verdacht, dass das Problem nicht nur an den ausgeprägten individuellen Persönlichkeiten der beiden liegt. „Das wird auch von außen geschürt“, sagt Weinbuch, „aber ich will keine Namen nennen.“ Er habe kein Problem, wenn sich die sportliche Rivalität auf der Schanze und in der Loipe abspiele. „Aber ich hoffe, dass sie gesund bleibt und sich nicht auf die Mannschaft außerhalb überträgt.“ Doch auch in der Loipe kann es hässlich werden. Als Ronny Ackermann sich in der Saison 2005/06 mit Hannu Manninen um den Gesamtweltcupsieg duellierte, schlug er ihn einmal im Zielraum mit dem Skistock.

Hermann Weinbuch blickt ein wenig neidvoll zu den deutschen Langläufern, die sich in einer Trainingsgruppe gegenseitig anspornen. „Das ist beispielhaft, wie das funktionieren kann“, sagt er, „aber dazu bedarf es auch anderer Charaktere.“ Die scheint er nicht zu haben. Die Homepage von Björn Kircheisen bietet jedenfalls keine Hoffnung auf Besserung. Unter der Rubrik Vorbild hat er angegeben: Samppa Lajonen.

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