Kommentar : Brustschuss am zwölften Loch

Die Auslosung für die WM-Qualifikation sollte eine große Show werden. Sie wurde von der Ermordung Peter Burgstallers überschattet . Benedikt Voigt über eine letzte Warnung für Südafrika.

Benedikt Voigt

Joseph Blatter liegt falsch. Der Mord an dem ehemaligen Fußballprofi Peter Burgstaller auf einem Golfplatz in Durban stehe nicht in Verbindung mit der gestrigen Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM 2010, hatte der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa behauptet. Doch der Sportmanager und Sponsor der österreichischen Nationalmannschaft war nur wegen der Auslosung nach Durban gereist, er wollte im Umfeld der Veranstaltung Geschäfte tätigen. Dazu kam es nicht mehr. Am zwölften Loch wurde Peter Burgstaller mit einem Brustschuss getötet, sein Handy geraubt, die Taschen entleert.

Angesichts des Mordes spielt es eigentlich keine Rolle mehr, dass Teamchef Oliver Bierhoff in Durban Reisepass und zwei Handys gestohlen worden sind. Oder dem Büroleiter der deutschen Nationalmannschaft eine Aktentasche. Die Ereignisse bestätigen die schlimmste Befürchtung, die es vor der WM 2010 gibt: dass Südafrika sein Kriminalitäts- und Sicherheitsproblem nicht in den Griff bekommt. Die Veranstalter sind gut beraten, nicht wie Fifa-Chef Joseph Blatter („In jedem Land der Welt gibt es Verbrechen“) die Augen vor dieser wichtigsten Aufgabe zu verschließen. Wenn Fußballfans, Sponsoren oder Spieler in Südafrika um ihr Leben fürchten müssen, wird die gesamte Veranstaltung hinfällig.

Dieser Mord ist kein Grund, Südafrika die Weltmeisterschaft wegzunehmen, wie es bereits von einigen gefordert wird. Die Weltmeisterschaft wird auf alle Fälle in diesem Land stattfinden, vor allem weil sie zu Joseph Blatters Vermächtnis werden soll. Der umstrittene Fifa-Funktionär möchte die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent zu einer großen persönlichen Imagekorrektur nutzen. Die Organisatoren aber sollten das tragische Ereignis vom Freitag als letzte Warnung begreifen. Denn ein weiterer WM-Toter könnte die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ins Chaos stürzen.

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