Kommentar : Der Geschmack der Leichtathletik

Alle reden von der großen Generalprobe. Friedhard Teuffel erklärt, wer beim Istaf heute schon für die WM in Berlin testet.

Friedhard Teuffel

Leichtathletik im Kleinformat, zusammengefaltet auf eine überschaubare Größe – willkommen beim Istaf. Die Veranstalter werben damit, die „Ein-Tages-WM“ zu präsentieren. Auch von einer Generalprobe ist die Rede. Aber wie viel Weltmeisterschaft steckt schon in diesem Meeting?

Es sind einige der weltbesten Athleten am Start wie die Hochspringerin mit Stab Jelena Isinbajewa und die Hochspringerinnen ohne Stab Blanka Vlasic und Ariane Friedrich, die Speerwerfer Andreas Thorkildsen und Tero Pitkämäki oder die Läufer Sanya Richards und Kenenisa Bekele. Aber es sind eben nur einige. Gerade den Athleten aus den USA und der Karibik passt das Istaf nicht gut in ihre Saisonplanung.

Viele deutsche Athleten wissen noch nicht einmal, ob sie überhaupt starten dürfen bei der WM in Berlin im August, erst einmal müssen sie die Qualifikationsnormen erfüllen. Zum Beispiel beim Istaf, es gibt keinen günstigeren Ort dafür. Denn was ihnen oft fehlt, ist internationale Wettkampferfahrung, und in einem gut gefüllten Olympiastadion können sie ein bisschen vom Respekt vor der großen Bühne ablegen.

Den Charakter eines Tests hat dieses Istaf aber am meisten für die Zuschauer. Der Titelsponsor des Istaf bringt mit Bussen viele nach Berlin, die sich die internationale Leichtathletik bisher allenfalls im Fernsehen angeschaut haben. Das Istaf will ihnen den Zugang erleichtern durch Verknappung, Unterhaltung, Tamtam. Sie können probieren, ob die Leichtathletik nach ihrem Geschmack ist. Ob ihnen Laufwettbewerbe vorkommen, als drehe sich alles vor ihnen im Kreis. Oder ob sie der Faszination erliegen, die austrainierte Athleten im Wettbewerb gegeneinander mit Tempo, Technik und Taktik ausstrahlen. Also: Ob ihnen die Leichtathletik auch den Kauf einer Eintrittskarte für die WM wert ist.

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