Kommentar : Der Osten ist relativ

Nach dem Stadtderby zwischen Union Berlin und Hertha BSC sorgte eine Aussage des jungen Unioners Christopher Quiring für Aufregung. Ein Kommentar von Tagesspiegel-Sportchef Robert Ide zu Derby-Spitzen aus Marzahn und Bottrop.

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Diesmal jubelt Blau-Weiß. Im dritten Pflichtspielderby gegen den 1. FC Union siegt erstmals Hertha BSC.Weitere Bilder anzeigen
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04.09.2012 09:07Diesmal jubelt Blau-Weiß. Im dritten Pflichtspielderby gegen den 1. FC Union siegt erstmals Hertha BSC.

Ein wenig Folklore musste noch sein, wenigstens in der Nachspielzeit. Als die Fans des 1. FC Union und von Hertha BSC im Stadion An der Alten Försterei unter Flutlicht und Vollmond das bis zum Schluss spannende Stadtderby nachfeierten, stellte sich ein junger Fußballspieler aus Marzahn vor eine Fernsehkamera und sagte mit Blick auf die siegreichen, über den Rasen tanzenden Herthaner: „Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg ich das Kotzen.“ Schade, so ostig hatten sich die Unioner vor und während des Spiels gar nicht präsentiert. Nun aber musste der sonst so gute, weil galante Gastgeber am Tag nach dem Derby seinen Torschützen Christopher Quiring mit sich selbst relativierenden Äußerungen einfangen.

Dieser netten Geste hätte es allerdings gar nicht bedurft. Schließlich wurde Quiring erst nach dem Mauerfall geboren und kennt die DDR höchstens aus Erzählungen. Sein Osten ist ziemlich relativ. Aber, und das sei zu seiner Entschuldigung gesagt, das geht ja nicht nur Ossis so. Der Kommentator des übertragenden Fernsehsenders „Sport 1“, Frank Buschmann, sprach jedenfalls immer von den Berlinern, wenn er die Herthaner meinte. Dass Union auch zu dieser Stadt gehört, war dem gebürtigen Bottroper entgangen. Vielleicht kann das „Sport 1“ bei der nächsten Übertragung mal relativieren.

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