Kommentar : Der Radsport ist tot - in Deutschland

Der angekündigte Tod des Radprofiteams Milram steht am Ende des beispiellosen Niedergangs einer Sportart. Zumindest in Deutschland geht in diesem von Skandalen geprägten Geschäft nichts mehr.

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Helm auf zum letzten Akt. Für Milram kann es nach dem Sponsorenausstieg kaum weitergehen. Foto: dpa
Helm auf zum letzten Akt. Für Milram kann es nach dem Sponsorenausstieg kaum weitergehen.Foto: dpa

Riesengroße Erfolge hat das Team gefeiert, der Name des Sponsors war in aller Munde. Die Investition in eine Art deutsche Nationalmannschaft des Radsports hatte sich mehr als gelohnt, sie war sensationell. Bis zu den Skandalen, als auch der deutsche Held zu Fall kam. 2007 beendete die Telekom ihr Sponsoring. Ein schwerer Schlag für den Radsport in Deutschland, auch viele andere Veranstaltungen waren gefördert worden. Das Engagement dauerte 16 Jahre.

Große Erfolge errang auch das andere deutsche Team. Der Bekanntheitsgrad des Sponsors stieg erheblich, aber angesichts aktueller Dopingskandale im Radsport wollte Gerolsteiner sein Mineralwasser nicht weiter verunreinigen lassen und zog 2008 das ohnehin angekündigte Ende noch etwas vor. Nach neun Jahren.

Blieb die dritte deutsche Topmannschaft. Gestern gab Milram auch offiziell bekannt, was schon klar war: Der Sponsor steigt aus. Vier Jahre war er dabei.

„Alles wird neu – alles wird anders“, so hieß noch im Vorjahr das Motto, unter dem das Team auf die Straße geschickt wurde, mit vielen jungen deutschen Fahrern. Sie sollten sauber sein – und trotzdem Erfolge einfahren. Das hat so nicht funktioniert. Trotzdem, so teilte Milram gestern mit, haben man mit einer Investition von acht Millionen Euro im Jahr einen Mediagegenwert von 50 bis 60 Millionen erzielt. Der Bekanntheitsgrad der Marke in Deutschland liege bei 90 Prozent. Hört sich eigentlich nach einem richtig guten Geschäft an. Das für eine deutsche Marke aber ausgereizt war und nun mehr Risiken als Chancen bot.

Denn hierzulande ist der Radsport tot, auch wenn es ihm im Rest Europas nach wie vor gut geht.

Vielleicht wird eines Tages ein neues Talent daherkommen, so wie Jan Ullrich eines war. Es steht nicht fest, dass die Menschen in Deutschland sich dann wieder für Radsport begeistern werden.

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