Kommentar : Fußball ist hochpolitisch

"Für welchen deutschen Verein schlägt Ihr Fußballherz", fragte "Die Zeit" die 620 Bundestags-Abgeordneten. Die Ergebnisse sind überraschend, meint unser Autor.

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So sieht es aus, wenn Merkel am Ball zaubert. Für welchen Verein ihr Herz schlägt, wollte sie aber nicht verraten.
So sieht es aus, wenn Merkel am Ball zaubert. Für welchen Verein ihr Herz schlägt, wollte sie aber nicht verraten.Foto: dpa

Es gibt so Grundsatzfragen im Leben eines Bundestagsabgeordneten, die gehen ans Eingemachte, sind heikel, die Antworten möglicherweise sogar entlarvend. Deshalb gibt es geheime Abstimmungen, da weiß man hinterher nicht, wer wofür und wer wogegen war. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat jetzt den 620 Abgeordneten des scheidenden Bundestages so eine Kernfrage gestellt. Die Kollegen wollten wissen: „Für welchen deutschen Verein schlägt Ihr Fußballherz?“ Die Ergebnisse sind überraschend, vor allem auch tiefenpsychologisch aussagestark.

Immerhin 91 Abgeordnete haben überhaupt kein Herz, jedenfalls keines für Fußball. 84 Parlamentarier haben keine Antwort gegeben. Das kann entweder bedeuten, dass sie für einen Verein schwärmen, der nicht in ihrem Wahlkreis liegt, weswegen die Antwort existenzbedrohend sein dürfte, oder dass sie sich schämen, weil der Verein so schlecht ist, oder dass sie sich nicht trauen, zuzugeben, dass sie von der Sache nichts verstehen und lieber nicht auf Schalke 05 tippen wollen.

Aber hätten Sie, liebe Leserinnen und Leser, gedacht, dass man aus Vereinspräferenzen auf die politische Grundierung schließen kann? Bei den CDU/CSU-Abgeordneten und denen der FDP liegt Bayern München weit vorne. Bei SPD, Grünen und der Linken dominiert hingegen eindeutig Borussia Dortmund. Bei den Sozialdemokraten kommt mit Schalke noch ein weiterer Kohlenpottverein weit nach oben.

Hertha hat leider nur 12 Fans im Hohen Haus. Da Berlin aber 23 Abgeordnete stellt, ist das ein besonderer Skandal. Hätte sich Hertha etwas mehr um die Zuneigung der MdBs kümmern müssen? Freikarten schicken, eine kleine Sause veranstalten? Wir haben Hertha-Präsident Werner Gegenbauer gefragt. Der hat nur müde gelächelt. Geht doch nicht, hat er gesagt, die Complianceregeln... Das gilt als Bestechung.

Tja, da hilft eigentlich nur noch eines: Diese Saison besser spielen.

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