Kommentar : Isoliert die Untras!

Aussagen und Verhalten nach der Zündel-Attacke einiger Frankfurter Unfans könnten einen Wendepunkt in der Diskussion um Gewalt und Pyrotechnik im Stadion bedeuten, meint Dominik Bardow in seinem Kommentar.

Beim Auswärtsspiel von Eintracht Frankfurt bei Bayer Leverkusen zündeten die Gästefans Feuerwerkskörper im Gästeblock...Alle Bilder anzeigen
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19.01.2013 16:38Beim Auswärtsspiel von Eintracht Frankfurt bei Bayer Leverkusen zündeten die Gästefans Feuerwerkskörper im Gästeblock...

An diesem Bundesliga-Wochenende gab es zwei bemerkenswerte Vorfälle. Die Zündelei im Frankfurter Block beim Spiel in Leverkusen war dabei nur der Anlass. In der siebenminütigen Unterbrechung geschah es: Das Leverkusener Publikum solidarisierte sich gegen die Chaoten und sang: „Wir wollen Fußball sehen.“ Nach dem Spiel folgten die Vereine nach: „Was nützt es, dass mehr als 90 Prozent so etwas nicht wollen und 15 bis 20 von 4500 Frankfurter Gästen kriminelle Taten begehen. Mit solchen Leuten gibt es keinen Dialog“, sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Der Eintracht-Chef stimmte zu: „Es gibt nach meiner Meinung nur eine Lösung: ausgrenzen, wir müssen die Jungs isolieren“, sagte Heribert Bruchhagen.

Es könnte einen Wendepunkt in der Diskussion um Gewalt und Pyrotechnik im Stadion bedeuten. Der Punkt, an dem man aufhört, solche Chaoten Fußballfans zu nennen und sie konsequent aus allen Dialogen und Diskussionen ausschließt.

Das Sicherheitskonzept muss aber kein „heißer Luftballon“ sein, wie Holzhäuser sagte, Austausch und Dialog sollten weitergehen. Mit den Fans, doch nicht mit den Chaoten im Stadion. Die Aufgabe von Vereinen und echten Fans ist es, weiterzumachen wie in Leverkusen, diese Leute auszugrenzen und vom Fußball fernzuhalten. Zuerst sollte man dazu aufhören, sie Fans oder Ultras zu nennen. Ein neues Wort ist nötig: Unfans – oder besser, Untras.

Beim Auswärtsspiel von Eintracht Frankfurt bei Bayer Leverkusen zündeten die Gästefans Feuerwerkskörper im Gästeblock...

Leverkusen trotzt der Unterbrechung

Riss in der Kurve

Die Untras sind nicht über die Liebe zum Fußball oder zu Vereinen zu erreichen. Dass Frankfurt bei weiteren Vorfällen Stadionsperren oder Punktabzüge drohten, dass die Eintracht bis dahin gut beim Favoriten mitgehalten hatte – all das war den Zündlern völlig egal. Genau wie Strafen gegen die Vereine ihnen egal wären. Weil ihnen Fußball egal ist. Er ist nur eine Bühne, um sich selbst zu inszenieren. Die Aktion war auch kein intelligenter Protest wie das zwölfminütige Schweigen. Die Untras lieben nur sich und das Chaos.

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