Kommentar : Keine Torlinientechnik? Das ist peinlich!

Da jammern und klagen die Bundesligaklubs, wittern im Wochenrhythmus Verschwörungen. Wie verlogen das alles ist, zeigt sich jetzt. Die Vereine lehnen die Torlinientechnik ab. Okay, aber nun gilt künftig: Klappe halten.

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Die Mutter aller Phantomtore. Thomas Helmer (Bayern München, Mitte) traf gegen Torwart Andreas Köpke (Nürnberg) NICHT. Der Schiedsrichter sah es anders.
Die Mutter aller Phantomtore. Thomas Helmer (Bayern München, Mitte) traf gegen Torwart Andreas Köpke (Nürnberg) NICHT. Der...Foto: Imago

Markus Gisdol hat am Sonntag „einen großen Haken“ hinter das Phantomtor von Stefan Kießling gemacht. Der Trainer der TSG Hoffenheim, der damals das Opfer der dramatisch falschen Schiedsrichterentscheidung war, ist nach dem Spiel seiner Mannschaft in Leverkusen eigens zum Phantomtorschützen Kießling geeilt, um ihm in dieser Angelegenheit seine Absolution zu erteilen. Das ehrt Gisdol. Andererseits: Mit einem halben Jahr Abstand (und noch dazu unmittelbar nach dem recht glücklichen 3:2-Sieg im Rückspiel) ist Gelassenheit leicht zu haben.

Im Eifer des Gefechts sieht das nämlich alles ganz anders aus: Da geifern und zetern sie, jammern und klagen, wittern im Wochenrhythmus Verschwörungen. Wie verlogen das alles ist, das hat sich am Montag gezeigt. Mit einer fast widerwärtigen Zweidrittelmehrheit haben die 36 Erst- und Zweitligisten gegen die Einführung der Torlinientechnik gestimmt. Es sei mal dahingestellt, welche Gründe bei den 24 Gegnern eine Rolle gespielt haben – die Kosten, Zweifel an der Technik oder ein falsch verstandener Romantizismus (was ist an Unrecht romantisch?). Letztlich ist es unerheblich. Die Botschaft der Liga lautet: Der deutsche Fußball verweigert sich weiterhin der Moderne. Und das ist vor allem eins: ziemlich peinlich.

Zwischen hundert- und zweihunderttausend Euro hätte die Technik jeden Verein pro Jahr gekostet. Für die gewöhnlich mittellosen Zweitligisten mag das viel Geld sein; aber was ist, wenn ein falsches Tor über den Aufstieg und damit über Millionen entscheidet? Dann werden sie wieder geifern und zetern, jammern und klagen – über das große Unrecht im Allgemeinen und die blinden Schiedsrichter im Besonderen. Dass die Schiedsrichter nicht besser sehen können, ist aber zumindest seit gestern nicht mehr deren alleinige Schuld. Das haben die Vereine jetzt in erheblichem Maße mit zu verantworten. Und deshalb sollten sie in Zukunft weder geifern noch zetern. Sondern einfach die Klappe halten.

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