Kommentar : Marcel Reif über Hertha, Bremen und den DFB

Hertha? Erst fehlt es am Können, dann am Glück und nun kommt auch noch Pech hinzu.

von
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Was Werder Bremen angeht und eine Beurteilung der dortigen Stimmung, möchte ich Zurückhaltung üben, da bin ich ein gebranntes Kind. Vor mehr als einem Jahr riet ich, Klub und Trainer Schaaf sollten wegen Abnutzungserscheinungen auch mal getrennte Wege gehen. Was auf die Hinrunde bezogen definitiv ein schlechter Rat war. Und jetzt? Ein Sieg gegen Hertha ist noch nicht der Weg aus der Krise. Also abwarten. Und Hertha? Erst fehlt es am Können, dann hat man kein Glück und nun kommt auch noch Pech hinzu. Bitter das alles und jede Woche der erneute Versuch, dagegen anzukämpfen.

Lädiert sind sie beide. Und lädiert ist auch der DFB nach dem nicht ganz durchsichtigen Scheitern der Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff. Man weiß nicht genau, wer wann was gesagt oder nicht gesagt hat, per Handschlag besiegelt oder auch nicht. Aber auch ohne heimlich unter dem Verhandlungstisch gesessen zu haben, zeigt das derzeitige Resultat, dass sich zwei smarte Partner etwas zu smart gefühlt und sich verzockt haben. Löws und besonders Bierhoffs Forderungen nach Bonuszahlungen (die beim Leumund von Boni schon sprachlich sehr ungeschickt sind) und dem Vetorecht für Bierhoff bei der Bundestrainerauswahl wirken zu diesem Zeitpunkt, am Vorabend der WM, ein bisschen zu sehr wie die vorgehaltene Pistole.

Andererseits: Dass solche Details überhaupt an die Öffentlichkeit gelangten, spricht für Indiskretionen aufseiten des DFB und ihren gezielten Einsatz. Soll Bierhoff getroffen werden, der mit seiner Rigorosität manch DFB-Granden inklusive Sportdirektor Matthias Sammer arg vor den Kopf gestoßen hat? Der rechnet und sieht sich weiterhin in der Nachfolge Löws als Bundestrainer. Mit Manager Bierhoff? Dass Bierhoff und Sammer eine herzlichste Männerabneigung eint, ist kein Geheimnis. Wohl deshalb pocht Bierhoff auf sein Vetorecht. Da sind wohl noch einige Rechnungen unbeglichen. Dass sie jetzt ausgepackt werden und den Bundestrainer treffen und schwächen, zeugt von schwächelndem taktischen Geschick bei Präsident Theo Zwanziger.

Selbstverständlich kann er sich weigern, über für ihn und den Verband unerfüllbare Forderungen überhaupt nachzudenken. Aber nun steht neben Bierhoff auch Löw in Verbindung mit Gier, mag er auch noch so sehr beteuern, dass sehr viele Unwahrheiten im Umlauf sind. Es ist nicht schwer vorherzusagen, dass diese Verbindung, diese gescheiterte Vertragsverlängerung bei der WM zur Wiedervorlage steht. Als Alibi für etwaige schlechte sportliche Leistungen allerdings darf das nicht gelten. Anderenfalls bräuchten wir erst gar nicht nach Südafrika zu reisen.

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