Kommentar : Nacktscanner in der Kabine

Christian Hönicke über die Pistolen im Spind von Basketballer Gilbert Arenas.

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Vermutlich hat Gilbert Arenas seine Aufgabe einfach zu wörtlich genommen. Der Shooting-Guard des Basketballteams Washington Wizards ist bis auf Weiteres suspendiert worden, weil er in seinem Spind in der Mannschaftskabine Waffen deponiert haben soll. Angeblich sollen sich Arenas und sein Teamkollege Javaris Crittenton Ende Dezember in der Kabine sogar gegenseitig mit Pistolen bedroht haben.

Arenas bestreitet das, gibt aber zu, drei Schießeisen mit in die Halle genommen zu haben, weil er sie nach der Geburt seiner Tochter nicht mehr in seinem Haus haben wollte. Als Arenas aber am Dienstag im Spiel auch noch mit der Hand Schüsse aus einer Pistole simulierte, reichte es David Stern. Arenas werde „mit sofortiger Wirkung und ohne Bezahlung suspendiert“, teilte der Chef der Profiliga NBA mit – wie lange, steht noch nicht fest.

Sicher wird es nun wieder Leute geben, die die Sicherheitsvorkehrungen in den Umkleidekabinen dieser Welt verschärfen wollen. Die fordern, dass die Profis ihr Shampoo statt in Kulturbeuteln künftig nur noch in durchsichtigen Plastiktüten unter die Dusche tragen dürfen. Dass die Handballer auf ihre Harzdepots an den Sohlen verzichten sollen, um ein Schuhbomberattentat auszuschließen. Oder dass die Spinde mit Nacktscannern revolverfrei gehalten werden müssen.

Doch das wäre blanker Aktionismus – eine absolut sichere Kabine wird immer eine Illusion bleiben. Stattdessen seien alle Sportler zu mehr Sensibilität aufgerufen: Vorsicht vor allzu leichtfertigen Fehlpassvorwürfen an den Mitspieler! Man weiß schließlich nie, was er im Spind hat.

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