Sport : Kommentar: Spiegelkabinett in Peking

Ernst Podeswa

Deutsche haben immer etwas zu mäkeln. "Es ist viel mehr durchorganisiert", sagt Axel Jennewein. Und der meint es durchaus kritisch im Vergleich zu Palma de Mallorca vor zwei Jahren. Dort sei bei der Universiade alles "viel lockerer" gewesen.

Der Volleyballer gehört zum 92-köpfigen deutschen Aufgebot für die gestern eröffneten Weltspiele (Universiade) der Studenten in Peking. Und beim Unmut über Sicherheitskontrollen vergisst er, dass diese Ereignis noch nie solche Dimensionen aufwies: fast 7000 Athleten aus 167 Ländern, rund 10 000 freiwillige Helfer, mehr als 2400 Journalisten. Mehr als drei Millionen Zuschauer werden bei den Wettkämpfen bis zum 1. September erwartet.

Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Peking alle Universiaderekorde übertreffen dürfte. Sportlich wie organisatorisch. Das verwundert nicht, denn das bevölkerungsreichste Land der Erde sucht etwas, was ihm vorenthalten wird: weltweite Akzeptanz. Um dies zu bekommen, setzt China auf die Karte Sport. Was einst mit der Ping-pong-Politik in einer Phase des kältesten Krieges gelang, soll nun mit der Universiade fortgesetzt werden. Deren Erfolg soll zudem beweisen, dass die Entscheidung des IOC für Olympische Spiele 2008 in Peking richtig war.

Das IOC verspricht sich davon eine Öffnung Chinas. Auf die Vorwürfe, unzureichend gegen Doping vorzugehen, hat man bereits reagiert. Und zwar restriktiver als in den USA oder Deutschland. Dass nun die Urinabgabe sogar in einer Art Spiegelkabinett vor sich geht, zeigt nur die chinesische Mentalität zur Perfektion. Um so das Schummeln unmöglich zu machen. Schwieriger scheint es, sich auf politischem Terrain zu öffnen. So hat man vom Bildungsminister Taiwans ein spezielles Einreisevisum verlangt. Oft wird man sich das nicht erlauben können. Denn die Weltöffentlichkeit schaut mehr denn je ins Reich der Mitte.

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