Kommentar : Wenig Sinn, kein Verstand

Die neuen Aggressionen von Fußballfans gegen Privatpersonen und deren Eigentum werfen Fragen auf. Was steckt hinter solchen Taten? Sind sie zu verhindern? Und wenn ja, wie? Ein Kommentar von Benjamin Apitius.

Zuerst Kevin Pezzoni. Der Spieler des 1. FC Köln wurde vor seinem Haus bedroht. Aus Angst um seine Sicherheit löste der Verteidiger schließlich seinen Arbeitsvertrag mit dem Zweitligisten auf. Und jetzt Christian Arbeit, der Pressesprecher des 1. FC Union. Auf sein Haus wurde drei Tage vor dem Derby gegen Hertha BSC ein blau-weißer Farbbeutelanschlag verübt. „Das ist eine klare Grenzüberschreitung, die ins Privatleben hineingeht“, sagte Arbeit.

In beiden Fällen wurde Anzeige gegen unbekannt erstattet. Und der neue Aktionismus von Fußballfans sorgt in diesen Tagen für mächtig Diskussionsstoff und bereitet allen Beteiligten erhebliche Sorgen. Denn: Wie können Fußballvereine ihre Angestellten in Zukunft vor solchen Übergriffen schützen? Und: Von wem gehen diese überhaupt aus?

Zumindest auf die erste Frage hat bisher niemand eine plausible Antwort. Denn wie so oft, ist auch dieses neue Fußballproblem nicht allein im Sport zu verorten, sondern allgemein in unserer Gesellschaft. Dass Kleingruppen plötzlich aktiv werden und Personen oder deren Besitz angreifen, hat seit geraumer Zeit Tradition. Erwähnt sei hier nur die Vielzahl an in Brand gesteckten Autos. Zumeist steckt wenig Sinn und kein Verstand hinter solchen Taten.

Doch warum überschreiten nun auch Fußballfans die Grenzen des menschlichen Zusammenlebens derart und greifen zu solch extremen Mitteln? Entspringen solche Vorhaben noch einer Leidenschaft oder einer Verbundenheit? Oder ist es nur als ein Spielchen, als ein ernst gemeinter Spaß zu verstehen?

Die betroffenen Vereine, und all die, die jetzt nachträglich Solidarität üben, dürfen nicht glauben, dass sich solche Ausfälle von selbst erledigen werden. Sollten die Attacken auf Pezzoni und Arbeit nur die Vorboten sein, stünde der gesamte Fußball, wie wir ihn bisher kennen, auf dem Prüfstand.

Zu hoffen bleibt, dass die Kleingruppe einer Großgruppe angehört und von allen Seiten keinerlei falschen Respekt erfährt für ihre Aktionen, sondern Distanzierung. Denn weitere einschränkende Maßnahmen der Vereine gegenüber Fans würde den Keil zwischen den Vereinen und ihren Anhängern tiefer treiben und dem Fußball erheblich schaden. Vor allem dann, wenn sie nur einige wenige zu verantworten hätten.

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