Kommentar : Werder ist wieder Werder

Alles auf Anfang - oder auf Ende? Stefan Hermanns über die Ära Thomas Schaaf und Werder Bremens Tradition als Pokalmannschaft.

Stefan Hermanns
DFB-Pokalfinale - Bayer Leverkusen - Werder Bremen 0:1
Ein Kreis schließt sich. Für Werder und Thomas Schaaf.Foto: dpa

Der Vereinspokal des Deutschen Fußball-Bundes hat in den vergangenen Jahren wenig zu lachen gehabt. Was musste er sich nicht alles anhören: dass er aus der Mode geraten sei, von minderem Wert und überhaupt eine ziemlich lästige Angelegenheit. Das gestrige Finale im Olympiastadion hat den DFB-Pokal für manche Demütigungen der jüngeren Vergangenheit entschädigt. Nie war der Wettbewerb wertvoller als in dieser Saison, da das Endspiel zwei Frustrierte der Liga zusammengeführt hatte. Mit dem Sieg von Berlin hat zumindest Werder Bremen aus einer mäßigen Spielzeit noch eine leidlich gute gemacht – was das im Umkehrschluss für Bayer Leverkusen bedeutet, kann sich jeder denken.

Werder hat mit dem Erfolg im Olympiastadion eine Tradition wieder aufgenommen, die bis in die Zeit von Otto Rehhagel zurückreicht: Werder war eine Pokalmannschaft – und ist es wieder. Unter Rehhagel standen die Bremer vier Mal im Endspiel, zwei Mal gewannen sie den Pokal. Thomas Schaaf hat seinen Lehrmeister mit dem dritten Pokalsieg aus vier Finalteilnahme nun sogar schon übertroffen.

Das moderne Werder ist ohne die Erfolge im Pokal nicht denkbar. Auch die ertragreiche Ära Schaaf hat mit einem Pokalsieg begonnen. Werders Trainer war gerade erst ein paar Wochen im Amt, als sich seine Mannschaft 1999 im Elfmeterschießen gegen die großen Bayern durchsetzte – und fortan zu deren konstantestem Widersacher wurde. Jetzt aber steht Werder vor dem vielleicht größten Umbruch der Moderne. Zum ersten Mal nach fünf Jahren hat sich der Klub nicht für die Champions League qualifiziert, Kapitän Frank Baumann, der letzte Übriggebliebene aus der Double-Mannschaft von 2004, beendet seine Karriere, Diego verlässt den Klub, und Torsten Frings ist längst kein junger wütender Mann mehr; meistens wirkt er nur noch alt und müde.

Es deutet einiges darauf hin, dass mit Werders gestrigem Erfolg eine Ära zu Ende gegangen ist. Die spannende Frage ist, ob er auch der Beginn einer neuen ist.

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