Sport : Kontrollierte Öffnung

Chinas Schwimmer lassen sich im Ausland stählen

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Rot im Rücken. Sun Yang trainiert unter chinesischer Flagge in Australien. Foto: dpa
Rot im Rücken. Sun Yang trainiert unter chinesischer Flagge in Australien. Foto: dpaFoto: dpa

Prinzipiell fühlt sich Sun Yang der asiatischen Höflichkeit ja verpflichtet, doch die gepflegte Zurückhaltung hat für den 19-jährigen Langstreckenschwimmer eine klare Grenze. Am Startblock. Dort, von wo aus der junge Chinese am Wochenende zu seinem wichtigsten Wettbewerb bei dieser WM ins Wasser springen wird. Über 1500 Meter Freistil, die am abschließenden Sonntag entschieden werden. Im Marathon der Beckenschwimmer tritt Sun Yang als schnellster Mann des Jahres an. Er sagt, er sei sich sicher, seine persönliche Bestzeit unterbieten zu können. Und sagt außerdem, ganz unhöflich: „Die meisten meiner Erzrivalen sind schon älter. Das Alter ist mein Vorteil.“

Grant Hackett jedenfalls sieht seinen Weltrekord bereits fallen. „Bei einem Wettkampf wie diesem, dazu mit dem Heimpublikum im Rücken – ich bin mir sicher, dass Sun den Weltrekord brechen wird“, sagt Hackett. Die Bestmarke des Australiers feierte am Freitag ihren zehnten Geburtstag – und sie ist die allerletzte, bei Frauen wie Männern, die aus der Zeit vor der Ära der Superanzüge (2007 bis 2009) übrig geblieben ist.

Sollte Hacketts Prophezeiung eintreten, wird auch sein einstiger Trainer einen gehörigen Beitrag dazu geleistet haben. Denn bei Denis Coterell, einem der größten Schleifer der Branche, taucht Sun Yang neuerdings immer wieder mal auf, um sich eine Zeit lang dessen harten Trainingsmethoden zu unterwerfen. Von Januar bis März war Sun Yang, der in Schanghai bereits Gold über 800 und Silber über 400 Meter Freistil gewann, wieder acht Wochen bei Coterell im australischen Gold Coast. Als erfolgreichstes Beispiel für die neue, wenn auch kontrollierte Öffnung des chinesischen Schwimmsports, der seit Ende der Neunziger Jahre mehr als 40 positiv auf Doping getestete Schwimmer hervorgebracht hat.

Ein erklärter Freund dieser Öffnung ist auch Wu Peng, Schmetterling-Spezialist und Wahl-Amerikaner. In Schanghai sprach der 24-Jährige, der Michael Phelps über 200 Meter Schmetterling in diesem Jahr zwei Mal besiegte, bemerkenswert deutlich über die Zustände in der Heimat. „Als Sportler in China denkst du nur ans Training. Um alles andere kümmert sich die Regierung, Essen und Wohnung inklusive“, erzählte der Mann aus Hangzhou. „In den USA musste ich mich plötzlich um alles selber kümmern. Aber nach einigen Monaten haben ich das hinbekommen und so meine Lebensfähigkeit erhöht.“

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