Sport : Kopfmensch trifft Bauchmensch

Ralf Rangnick wird neuer Trainer bei Schalke 04, dem Klub des impulsiven Managers Rudi Assauer

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Wenn sich Gegensätze anziehen, dürften sich Rudi Assauer, der Manager des FC Schalke 04, und der neue Trainer Ralf Rangnick bald in den Armen liegen. Nach einem Sondierungsgespräch am Sonntag konnten die Westfalen, allen voran ihr in der Trainerwahl zuletzt nicht erfolgreicher Impresario Rudi Assauer, es kaum erwarten, Rangnick als Nachfolger des entlassenen Trainers Jupp Heynckes vorzustellen. Rangnick habe die Mannschaft im Pokal gegen Kaiserslautern und in der Bundesliga gegen Mönchengladbach „genau unter die Lupe genommen“, sagte Assauer. Das Ergebnis habe ihn verblüfft. „Ralf hat die Mannschaft seziert wie mit einem Skalpell. Er hat jeden einzelnen Spieler eingeschätzt, da war hundertprozentige Übereinstimmung, und es hat Klick gemacht.“ Und Teammanager Andreas Müller fügte auf gut Westfälisch hinzu: „Wir waren platt.“ So erhält der Bauchmensch Assauer nun Verstärkung durch den intellektuellen Kopfmenschen Rangnick.

Der Trainer war am Montag gerade mit dem Flugzeug wieder in Stuttgart gelandet und hatte sein Mobiltelefon gerade eingeschaltet, da meldete sich Müller mit der ersten Dienstanweisung: „Ralf, du gehst jetzt nach Hause, packst deine Tasche und fliegst wieder zurück.“ Der Vorstand habe beschlossen, ihn sofort unter Vertrag zu nehmen. Rangnick zeigte sich erfreut über den zügigen Findungsprozess seines neuen Arbeitgebers. Seine Ehefrau packte die Koffer, und schon ging es zurück ins Ruhrgebiet.

Am Abend regelten die Parteien die Details einer Zusammenarbeit, die fürs Erste bis 30. Juni 2006 vertraglich fixiert ist. Rangnick sagte, er sei stolz, in Schalke zu sein. Nach zweieinhalb Jahren Hannover, die im März mit einer vorzeitigen Trennung endeten, sei es sein Ziel gewesen, „für einen Verein zu arbeiten, der mehr erreichen kann, als zwei, drei Jahre gegen den Abstieg zu spielen“. Vorbehalten, als intellektuell geprägter Schwabe passe er nicht ins Ruhrgebiet, begegnet Rangnick rhetorisch geschickt. „Ich habe zwar keine Vorfahren direkt aus dem Ruhrgebiet, aber ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern stammen aus Breslau und Königsberg, und sie mussten sich alles hart erarbeiten wie die Menschen hier.“

An diesem Donnerstag beim Uefa-Pokalrückspiel gegen Liepajas Metalurgs wird Rangnick zum ersten Mal als Cheftrainer auf der Bank des FC Schalke sitzen – neben Eddy Achterberg, der zwei Wochen lang als Übergangstrainer gearbeitet hatte und nun wieder seinen angestammten Platz als Assistent einnimmt. Achterberg war einen Tag vor dem Hinspiel gegen den lettischen Klub zum Cheftrainer auf Zeit befördert worden. Unter seiner Regie hatte Schalke gegen Liepajas ein 5:1 vorgelegt, dann in der Bundesliga Mönchengladbach geschlagen und im Pokal beim 1. FC Kaiserslautern gewonnen. Dennoch wollte der Vorstand dem Niederländer, einem klassischen Assistenten, der als loyal und vereinstreu gilt, die Führungsposition nicht auf Dauer anvertrauen. „Das war von Anfang an klar“, behauptet Assauer. „Und Eddy wusste das.“ Rangnick sagt, es stehe für ihn „außer Frage, weiter mit Eddy zusammenzuarbeiten“. Ob ein weiterer Assistent dazukommen werde, sei noch offen. Rangnick scheint aber zu beabsichtigen, Mirko Slomka zu verpflichten, mit dem er in Hannover zusammengearbeitet hat.

20 Feldspieler, dazu zwei Torhüter – so einen Kader, in dem jede Position doppelt besetzt ist, habe er noch nie gehabt, sagt Rangnick, der einst beim Zweitligisten SSV Ulm die ballorientierte Raumdeckung kreiert hat. In Schalke hat er sich vorgenommen, „dass jeder einzelne Spieler besser wird“. Die Voraussetzungen dafür seien günstig. Im Aufgebot sei „nicht ein einziger Spieler, der keine Perspektive besitzt“.

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