Sport : Kramnik aus dem Tief

5:5-Ausgleich im Schachduell der Verdächtigungen

Martin Breutigam

Berlin - Helmut Pfleger, Schachgroßmeister und Psychotherapeut aus München, hat seinen Namen in eine jener Listen eingetragen, die dem Russen Wladimir Kramnik im WM-Kampf gegen den Bulgaren Wesselin Topalow moralische Unterstützung zusichern. „Ich war wirklich deprimiert von diesen widerlichen Machenschaften“, sagt Pfleger. Er sei aber sehr froh, dass Kramnik nach dem Toiletteneklat nicht aus Elista/Russland abgereist ist. Topalows Manager Silvio Danailow hatte ein Schreiben kursieren lassen, in dem der Moskauer beschuldigt wurde, in den ersten WM-Partien auf der Toilette die Hilfe eines Computers in Anspruch genommen zu haben.

Anatoli Karpow und Wiktor Kortschnoi, die verfeindeten ehemaligen WM-Rivalen, sind hier ausnahmsweise mal einer Meinung: An Kramniks Stelle hätte sie nichts länger in der kalmückischen Hauptstadt gehalten, als in Runde fünf die absurden Verdächtigungen von Seiten Topalows auch noch mit einem kampflosen Sieg belohnt wurden. Kramniks Entscheidung weiterzuspielen, machte ihn vorzeitig zum moralischen Sieger. Doch wie sehr die Sache an ihm nagte, sollte sich zeigen. „Nachdem er auch die neunte Partie verlor, habe ich das Allerschlimmste befürchtet“, sagt Pfleger. „Er war da ja nur ein Schatten seiner selbst.“ In der zehnten Partie gelang Kramnik jedoch der 5:5-Ausgleich. Heute folgt die elfte und am Donnerstag die letzte Runde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar