Sport : Krank und leer

Jens Voigt und Tobias Steinhauser geben bei der elften Etappe auf

Hartmut Scherzer

Toulouse. Der eine war krank, der andere fühlte sich ausgebrannt. Jens Voigt, der unermüdliche Kämpfer, und Tobias Steinhauser, Jan Ullrichs Freund und Helfer, mussten auf der elften Etappe der Tour de France schweren Herzens aufgeben. Die Hitze fordert ihre Opfer. Voigt litt bei 35 Grad unter Magenbeschwerden, kämpfte sich wacker, allerdings mit bleiernen Beinen und kraftlosem Tritt, noch den einzigen Berg auf den 153,3 Kilometern zwischen Narbonne und Toulouse hinauf und stieg dann völlig ermattet vom Rad. Der 31-jährige Mecklenburger, 2001 Etappensieger und einen Tag im Gelben Trikot, hatte sich schon vor der Etappe von Gap nach Marseille den Magen verdorben und am Ruhetag nicht mehr erholt.

Tobias Steinhauser war nicht krank, sondern „total leer“, wie er sagte. Schwindlig sei ihm auf dem Rad geworden, berichtete der Allgäuer deprimiert. „Erledigt, fertig, Schluss aus. Die letzten Tage waren nicht optimal, aber dass es so dick kommen würde, habe ich nicht gedacht. Aber es ging nichts mehr. Schade. Es tut mir leid für Jan.“ Von den 17 gestarteten Deutschen hatten vorher bereits Olaf Pollack, Michael Rich (beide Gerolsteiner) und Andreas Klöden (Telekom) aufgegeben.

Die kurze, auf den letzten sechzig Kilometern flache Strecke wäre etwas für die schnellsten Männer gewesen. Doch es gibt keine ambitionierten Sprinter-Mannschaften mehr, so dass die frühen Ausreißer durchkamen. Der Spanier Juan Antonio Flechia fuhr seinen sieben Wegbegleitern 14 Kilometer vor dem Ziel davon und gewann. Im Spurt der verbliebenen Sprinter um Rang neun, 42 Sekunden zurück, hatte der Australier Robbie McEwen vor seinem Landsmann im Grünen Trikot, Baden Cooke, die Nase vorn. Obwohl sich Zabel endlich schmerzfrei fühlte, wurde er noch hinter Fabrizio Guidi (Bianchi) Zwölfter. Zabels Bedauern galt Voigt. „Das tut mir für Jens sehr leid. Er gehört einfach zur Tour. Bei dieser Hitze haben viele Fahrer Magenprobleme.“

Das Grüne Trikot, das Erik Zabel sechsmal in Folge über die Champs-Elysees trug, hat der Telekom-Kapitän zwar noch nicht endgültig abgeschrieben, obwohl die Chancen schlecht stehen. Doch die Farbe der Hoffnung verpflichtet. „Mir fehlen die Punkte durch den Sturz in Lyon“, sagte der Telekom-Kapitän mit einem müden Lächeln. Die nur langsam heilenden, rosa leuchtenden Wunden an Oberschenkel, Ellenbogen und Handfläche künden von seinen Leiden an den vergangenen Tagen. Die Zwischensprints unterwegs tut sich der 33-jährige Berliner nicht mehr an. „Die haben mich ein Jahr meiner Karriere gekostet“, winkte Zabel ab. „Die Raserei um die Häuserecken nach einem Strich hängt mir zum Halse raus."

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