Krieg am Eröffnungstag : Olympischer Friede? Mobilmachung!

Gerade hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zu olympischem Frieden ermahnt. Dann kamen die Nachrichten von der Mobilmachung im Kaukasus. Was bedeutet eigentlich "Olympischer Friede"?

Markus Hesselmann
Georgien
Den Aufruf zum Frieden überhört. Georgische Soldaten in Südossetien.Foto: AFP

Er rufe alle Kriegsparteien weltweit dazu auf, dem traditionellen Waffenstillstand zu folgen, hatte es in der Erklärung Bans geheißen, die in New York verbreitet worden war. „Legt die Waffen nieder, zumindest vorübergehend, damit die Menschlichkeit schon einen Anspruch auf Gold hat, noch bevor die Spiele überhaupt begonnen haben“, sagte der Chef der Vereinten Nationen und knüpfte damit an eine Tradition an, die bis in die Antike zurückreicht - und im Kaukasus am Eröffnungstag der Spiele prompt gebrochen wurde. Ban drückte in einer anderen Erklärung seine "ernste Besorgnis" über die "zunehmende Gewalt" in Südossetien aus und rief die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf.

Die UN-Vollversammlung hatte 1993 erstmals mit einer Resolution zur globalen Waffenruhe während der Olympischen Spiele aufgerufen. Der Brauch ist in der als „Ekecheiria“ bekannten griechischen Tradition aus dem achten Jahrhundert vor Christi Geburt verwurzelt und sollte Sportlern ermöglichen, unversehrt zur Teilnahme an den Olympischen Spielen reisen zu können, heißt es zum Thema "Olympischer Friede" auf der Internetseite des Tübinger "Instituts für Friedenspädagogik".

Während der Wettkämpfe herrschte jeweils Waffenruhe, die ursprünglich etwa einen Monat dauerte, später aber auf bis zu drei Monate ausgedehnt wurde. Während Zeit konnten sich die Zuschauer, Würdenträger und Sportler ungestört auf den Weg nach Olympia auf dem Peloponnes machen, selbst wenn ihr Weg durch das Gebiet eines Staates führte, der mit dem eigenen im Krieg lag. Dieses Gebot wurde von der gesamten, in kleinere Staat aufgeteilten griechischen Welt geachtet.

Um diese Tradition aktuell und weltweit weiterentwickeln zu können, wurde im Juli 2000 in Athen das „Internationale Zentrum für Olympische Waffenruhe“ gegründet. In der Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2000 heißt es zudem: „Wir fordern die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, einzeln und gemeinsam heute und in Zukunft die Olympische Waffenruhe einzuhalten und das Internationale Olympische Komitee bei seinen Bemühungen um die Förderung des Friedens und der Verständigung zwischen den Menschen durch den Sport und das olympische Ideal zu unterstützen.“

Hier hat Ban Ki Moon direkt angeknüpft: Auch wenn der Waffenstillstand nur von begrenzter Dauer sei, habe er doch unbegrenzte Möglichkeiten, sagte der UN-Chef. „Er bietet eine Pause, um die hohen Kosten des Kriegs zu überdenken, die Möglichkeit, einen Dialog zu beginnen, und ein Zeitfenster, um der leidenden Bevölkerung eine Atempause zu verschaffen.“

Die olympische Bewegung und die Vereinten Nationen strebten die gleichen Ziele von Frieden, Wohlstand und menschlicher Würde an. „Zusammen sind die UN und die olympische Bewegung ein Goldmedaillen-Team im Rennen um die wichtigsten Ideale der Menschheit“, sagte der UN-Generalsekretär - ohne sich mit seinem Appell im Kaukasus Gehör zu verschaffen.

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