Kritik an der Fifa : Infantino verteidigt sich wie Donald Trump

Fifa-Präsident Gianni Infantino sieht sich zu Unrecht angegriffen. Bei einem Kongress in Bahrain spricht der Schweizer von "Fake News und alternativen Fakten“ - die Kritik an ihm nimmt jedoch weiter zu.

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Gianni Infantino steht schwer in der Kritik.
Gianni Infantino steht schwer in der Kritik.Foto: AFP

Reinhard Grindel hatte einen besonderen Blick auf die Ereignisse beim Fifa-Kongress am Donnerstag in Bahrains Hauptstadt Manama. Als neues Mitglied des Fifa-Rats, des höchsten Gremiums des Fußball-Weltverbands, saß der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds auf dem Podium – und konnte so auf die Delegierten der Vollversammlung im Kongresszentrum schauen.

Grindel saß zudem sehr nah hinter dem Rednerpult, von dem aus Fifa-Chef Gianni Infantino sich ereiferte, gegen all seine Kritiker loszupoltern. Im Stil von US-Präsident Donald Trump wütete der Schweizer vor der umstrittenen Neubesetzung der Ethikkommission über „viele Fake News und alternative Fakten“. Dazu beklagte Infantino nach dem Rauswurf der Ethikchefs um den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert eine angeblich gezielte Kampagne: „Gerade in gewissen Ländern ist dieses Fifa-Bashing zum Volkssport geworden“, sagte er. Die Fifa sei „eine Demokratie, keine Diktatur“.

Dass es bei der Absetzung der Ethikchefs zu einem möglichen Bruch mit den Statuten des Weltverbands gekommen sein könnte, spielte bei Infantinos Rede keine Rolle. Die Liste für die Besetzung der Kommissionen habe nicht vier Monate vor der Wahl der Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura vorgelegen, bestätigten Fifa-nahe Quellen. Dies wird damit begründet, dass es nicht genug Personalvorschläge durch die Konföderationen gegeben hätte. Die Fifa betonte aber, dass es sich bei dem Zeitraum von vier Monaten nicht um eine Frist handle.

Ehemaliger Fifa-Berater Pieth spricht von autokratischer Machtergreifung durch Infantino

Ohne Namen zu nennen, lehnte Infantino öffentliche Ratschläge früherer Verantwortlicher für gute Unternehmensführung ab. „Wo sind all die selbsternannten Good-Governance-Experten? Sie sind alle kläglich gescheitert“, sagte der 47-Jährige. Die Fifa werde von diesen Personen „keine Good-Governance-Lektionen“ annehmen. Zuletzt hatte etwa Mark Pieth, früherer Governance-Beauftragter der Fifa, Infantino in der „FAZ“ kritisiert und „eine autokratische Machtergreifung“ durch den Schweizer beklagt.

In einem Bereich haben die Fifa-Funktionäre Infantinos Machtstreben jedoch ausgebremst. Eine geplante Änderung der Statuten, die einem kleinen Ratsausschuss um Infantino mehr Einfluss verschafft hätte, wurde offiziell verschoben und stand beim Kongress nicht mehr zur Abstimmung. Insider berichteten, dieser Vorstoß Infantinos sei den Rats-Mitgliedern dann doch zu suspekt gewesen. Denn der Rat wäre so nahezu entmachtet. Dass dies abgewendet wurde, sei ebenso wie das verlangsamte Bieterverfahren für die WM 2026 ein ermutigender Schritt, sagte Grindel nach seiner ersten Sitzung als Ratsmitglied. „Die Sensibilität, nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen, ist durchaus vorhanden“, betonte Grindel. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass der Reformprozess langwierig ist und wir viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.“ (mit dpa)

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