Kritik vom Volleys-Manager : Oh, wie schön ist Polen

Die Volleys überlegen, die Liga zu wechseln. Manager Niroomand bemängelt besonders den schwachen Wettbewerb in Deutschland - andere europäische Länder seien viel weiter.

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Abflug. Roko Sikiric spielt mit Berlin heute in Spergau – und bald in Polen?
Abflug. Roko Sikiric spielt mit Berlin heute in Spergau – und bald in Polen?Foto: imago

Man muss sich das so vorstellen: Die BR Volleys treten künftig in der Plusliga an, gegen Vereine wie Effector Kielce oder Transfer Bydgoszcz. Die polnische Liga wäre dabei ein Aufstieg für die Berliner Volleyballer: Sie gilt vielen Experten als drittbeste Liga Europas, ein florierendes Unternehmen, das vergangene Saison von zehn auf zwölf Teams aufgestockt hat. Die Volleys könnten also die dreizehnte Mannschaft werden.

Aus Spaß wird Ernst

Zumindest wenn man Manager Kaweh Niroomand glauben mag. Der sagte kürzlich zu einer Reporterin, wenn das so weitergehe mit der deutschen Volleyball-Liga (DVL), "dann muss ich mich in der polnischen Liga anmelden", und schon war aus einem Scherz eine Schlagzeile geworden. Doch die spitze Bemerkung hat einen ernsten Hintergrund: Die DVL ist eher eine Pleitefirma, Erstligist Bottrop wurde in dieser Saison die Lizenz entzogen, Haching und Moers stehen vor dem Aus. Den Volleys geht langsam die Konkurrenz aus.

Nachdem die Berliner ihr erstes Play-off-Spiel gegen den CV Mitteldeutschland ohne nennenswerte Gegenwehr gewonnen hatten, erneuerte Niroomand seine Kritik. "Die Entwicklung der Liga bereitet mir Sorge", sagte er. Er wirkte aber sichtlich zufrieden, dass seine Bemerkung für Aufmerksamkeit gesorgt hatte und hatte sogar Fotos von den Schlagzeilen auf dem Handy. Ob die Polen-Pläne wirklich nur ein Witz waren, das wollte er nicht eindeutig bestätigen. "Die italienische Liga wäre zu weit, Polen macht da schon mehr Sinn", sagte er, lachte und wieder war unklar, wie ernst er das meinte.

Die Volleys werden in jedem Fall heute in Spergau antreten, um im zweiten Spiel der "Best of three"-Serie den Einzug ins Halbfinale klarzumachen (19.30 Uhr, live im Interntet: www.dvl-live.tv). Das wird mit ziemlicher Sicherheit klappen, im ersten Spiel erhielten schon mal viele Volleys-Reservisten Spielpraxis. Echte Konkurrenz sieht anders aus.

Niveau in Deutschland steigern

"Der Volleyball in Deutschland wird immer populärer", sagt Niroomand oft. Aber flächendeckend scheint dieser vermutete Boom nicht zu sein. "Wir sind die Lokomotive, aber die anderen müssen auch mitziehen." Es ist aber eher so, dass die Lokomotive Volleys im Moment alles andere plattwalzt. "Wir müssen dahin kommen, dass vier, fünf Teams um die Meisterschaft spielen, nicht nur zwei oder drei", sagte Niroomand, der die DVL lieber aufstocken als verkleinern will.

Dabei kritisiert er die Krisenklubs. "Sie haben falsch investiert", bemängelt er. Man müsse nicht nur Geld für Spieler ausgeben, sondern auch für die Spielstätte und Infrastruktur. Viele Vereine würden darauf vertrauen, dass Etatlücken durch die Liga geschlossen werden.

"Man muss Sponsoren ein gutes Produkt anbieten. Niemand gibt einem so viel Geld, nur weil es so nett ist beim Volleyball", fordert Niroomand, der in Berlin bereits einen zahlungskräftigen Namenssponsor und eine bezugsfertige Halle gefunden hat. Jetzt müsste er nur noch neue Gegner finden.

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