Sport : Kühlwesten und Kältebänder

Wie das deutsche Team gegen die Hitze kämpft

Friedhard Teuffel

Osaka - Die deutschen Athleten haben es in Osaka mit einem unsichtbaren Gegner zu tun: der Sommerschwüle. Um gegen sie bestehen zu können, werden sie sich kalt anziehen. Wenn etwa die Siebenkämpferinnen heute auf ihre Versuche beim Hochsprung warten, tragen sie das neueste Stück aus der Kollektion des Deutschen Leichtathletik-Verbandes: eine Kälteweste. 21 solcher Westen hat der DLV mit nach Japan genommen und dazu noch Kältebänder für Hals und Handgelenk. „Wir müssen nur noch eine Gefriertruhe für die Westen auftreiben“, sagt Siebenkämpferin Jennifer Oeser. Bis zu 40 Grad soll es während der Wettkämpfe in Japan heiß werden, und besonders unangenehm wird es durch die Luftfeuchtigkeit von weit über 70 Prozent.

Als der deutsche Cheftrainer Jürgen Mallow von den Kältewesten erzählte, widerlegte er sich im Grunde selbst. „Auf schwülheißes Wetter kann man sich nicht vorbereiten“, hatte Mallow vor der WM gesagt. Vielleicht wollte er nur das Geheimnis der Westen nicht preisgeben. Nun sagt er: „Die Westen können die Temperatur des Körpers senken und dadurch Energieverlust vermeiden.“ Die Westen sind mit einer gelartigen Flüssigkeit gefüllt, die Kälte speichert. Den deutschen Marathonläufern Matthias Beckmann und Ulrich Steidl werden die Kühlelemente aber an diesem Samstag wenig nützen. „Man kann ihnen nur alles Gute wünschen“, sagt Mallow.

Die deutschen Athleten gehen in Osaka mit den Temperaturschwankungen von Hitze und fröstelnden Graden in den klimatisierten Räumen und Verkehrsmitteln gut um. „Sie setzen immer brav die Mütze auf, wenn sie in den Bus einsteigen“, sagt der Cheftrainer. Anstatt in Osaka haben sie vorher weiter nördlich in Shibetsu trainiert. „Wenn sich die Athleten nicht nur an die Zeitumstellung, sondern auch an extreme Temperaturen hätten gewöhnen müssen, wäre das vielleicht für die Abwehrkräfte zu viel gewesen“, sagt Mallow. Auch auf die Olympischen Spiele wollen sich die Deutschen in Shibetsu vorbereiten. „Wir sind in Verhandlung“, sagt Mallow. Er muss sich mit der japanischen Marathon-Olympiasiegerin Mizuki Noguchi einigen, die sich ebenfalls dort vorbereiten will. Mallow sagt: „Das Problem ist: Ihr Stab umfasst 40 Leute.“ Friedhard Teuffel

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