Sport : Kunst im Bau

Dortmund überzeugt beim 4:0 über Wolfsburg auch ästhetisch

Felix Meininghaus

Dortmund. Typisch Matthias Sammer. Da gewinnt seine Mannschaft Borussia Dortmund gegen Wolfsburg mit 4:0, liefert vor 72 500 Besuchern eine feine Leistung ab, und was macht der Trainer? Er schimpft. Ein Unding sei es, bei solchen Temperaturen Fußball spielen zu müssen. „Das ist unmenschlich.“ Zum Glück sei seine Mannschaft zu Saisonbeginn in einem hervorragenden Zustand. Gemeint hat Sammer das physische Vermögen, doch was die Dortmunder spielerisch zeigten, war aller Ehren wert. Im vergrößerten Westfalenstadion bewiesen Dortmunds Stars, dass sie durchaus mit dem Standard ihrer umgebauten Heimspielstätte mithalten können.

Der BVB wirbelte die Wolfsburger mächtig durcheinander und hinterließ einen wesentlich couragierteren Eindruck als beim ersten Saisonauftritt eine Woche zuvor gegen Schalke 04. Die Steigerung lag vor allem an der Umstellung, die Sammer im Mittelfeld vorgenommen hatte. Was Flavio Conceiçao und Otto Addo läuferisch und spielerisch boten, war mindestens eine Klasse besser als das, was die behäbigen Lars Ricken und Guy Demel eine Woche zuvor abgeliefert hatten.

Damit scheinen die Dortmunder in ihrer Problemzone einen entscheidenden Schritt weiter gekommen zu sein. Durch den langfristigen Ausfall von Nationalspieler Torsten Frings (Kreuzbandriss) und die Rotsperre für Sebastian Kehl schienen die Dortmunder im defensiven Mittelfeld ernste Probleme zu bekommen. Doch der von Real Madrid ausgeliehene Brasilianer Conceiçao und der Deutsch-Ghanaer Addo versicherten ihrem Trainer durch ihren Auftritt eindrucksvoll, dass er sich in dieser Hinsicht keine Sorgen zu machen braucht.

Rosicky brilliert als Spielmacher

Der überragende Mann des Spiels aber war Tomas Rosicky. Zwei Tore schoss er selbst, und dazu gab er im Mittelfeld die Richtung vor. Allein wie der kleine Tscheche den Ball bei seinem Führungstreffer mit dem Außenrist an den Innenpfosten zwirbelte, war schon ein kleines Kunststück. Rosicky, so mutmaßen sie in Dortmund, stehe vor einer großen Saison. Sammer hat den 22-Jährigen als Chef der Kreativabteilung mit allen Freiheiten ausgestattet und erwartet dafür, dass der Edeltechniker das Spiel des BVB mehr prägt, als er das bislang getan hat.

Zum Ende der vergangenen Spielzeit war in Dortmund das Murren deutlich lauter geworden. Rosicky, so hieß es, entwickele sich nicht weiter, für sein Potenzial zeige er zu wenig. Nun spürt der Spielmacher Rückenwind. Sammers Aufforderung deutet er in erster Linie als Vertrauensbeweis. „Das tut mir gut“, sagte Rosicky, „Ich brauche das. Aber ein Torjäger werde ich wohl nie.“

Manndecker Christian Wörns empfand es als „schönes Gefühl, mal wieder so souverän gewonnen zu haben, nachdem wir im letzten halben Jahr so rumgeeiert sind“. Fragt sich nur, ob die Spieler schon bis Mittwoch wieder ihre volle Einsatzkraft zurückgewonnen haben werden. Dann steht das für den Verein so bedeutsame Qualifikationsspiel für die Champions League in Brügge an. Bei Temperaturen, wie sie es im Moment gibt, dauert die Regenerationszeit ein bis zwei Tage länger. Sammer fürchtet einen Substanzverlust und ist froh, dass er im internationalen Wettbewerb auf den ausgeruhten Sebastian Kehl zurückgreifen kann, dessen Sperre nur für die Bundesliga gilt.

Für den Rest ist Mannschaftsarzt Professor Heinz Liesen zuständig. Der hatte die ersten Maßnahmen bereits während des Spiels gegen Wolfsburg eingeleitet. Er ließ Drinks mit einem Spezialmix reichen. Was genau die Dortmunder Profis nach schweißtreibender Arbeit zu sich nehmen, bleibt nebulös: Die Rezeptur ist geheim.

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