Sport : Kuranyis Kunststück reicht nicht Dortmund gleicht bei Schalke spät zum 1:1 aus

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
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Zum Verrücktwerden. Kevin Kuranyi schoss ein Traumtor, trotzdem konnte Schalke am Ende nicht gewinnen. Foto: dpa

Das 133. Revierderby bezog seine Brisanz erst in zweiter Linie aus der Rivalität zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Jeder der beiden Klubs hat in diesen dunklen Wintermonaten zu viel mit sich selbst zu tun, als dass er sich auf das verbale Getöse eingelassen hätten, das diesem Nachbarschaftsstreit gewöhnlich vorausgeht. Während es in Dortmund trotz der jüngsten Ergebniskrise (nur zwei Punkte aus drei Spielen) ruhig blieb, wurde in Gelsenkirchen die Kritik nach der Niederlage gegen den Abstiegskandidaten Bochum wieder lauter. So dürstete die Klubführung vor allem nach einem Erfolgserlebnis im Derby, um die hitzige Debatte um Manager Andreas Müller und Trainer Fred Rutten zu beruhigen. „Nach dem Derby sieht die Welt bei uns schon wieder ganz anders aus“, hatte Josef Schnusenberg, der Vorsitzende des FC Schalke, behauptet. So anders, wie er sich das vorgestellt hatte, sieht es aber nicht aus – und schon gar nicht besser. Nach Toren von Kevin Kuranyi und Mohamed Zidan reichte es für Schalke nur zu einem 1:1 – in einem Spiel, in dem lange Zeit alles für die Gastgeber gesprochen hatte.

In der ersten Hälfte ging es fast immer nur in eine Richtung, die Schalker bestürmten das Dortmunder Tor. Dabei ließen sie sich auch durch den Ausfall ihres Abwehrchefs Mladen Krstajic nicht verunsichern, der schon in der 10. Minute verletzt ausgeschieden war, nachdem ihm Kevin-Prince Boateng völlig unnötig und überhart aufs Knie getreten war. Dafür sah der ehemalige Berliner die Gelbe Karte, sein Trainer Jürgen Klopp nahm ihn in der Pause vorsichtshalber vom Feld, um keinen Platzverweis zu riskieren. Für Krstajic kam Halil Altintop, ein gelernter Stürmer. Altintop verlieh dem Spiel der Heimelf Schwung; so auch bei der Vorarbeit zum Führungstreffer. Der Türke setzte sich auf dem rechten Flügel durch und schlug eine Flanke, die Kevin Kuranyi zu einem artistischen Auftritt nutzte. Der Schalker legte sich buchstäblich quer in die Luft und wuchtete den Ball im Fallen zum 1:0 ins Tor. Ein künstlerisch wie sportlich wertvoller Treffer, der den Schützen zu noch mehr Tatkraft animierte. Später versuchte Kuranyi ein ähnliches Kunststück, verfehlte aber das Ziel.

Die Dortmunder vermochten dem Schalker Vorwärtsdrang nicht viel entgegenzusetzen. Klopp war offenbar nicht zu seinen Spielern durchgedrungen mit dem, was er vor der Partie gesagt hatte: „Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die nach dem Befreiungsschlag lechzen.“ Diesem Gegner Einhalt zu gebieten, schien Klopps Mannschaft offenbar unmöglich. Im Angriff harmlos, in der Abwehr häufig in Bedrängnis, konnten die Borussen froh sein, dass Schalke seine Überlegenheit nicht konsequent nutzte.

Es schien nur eine Frage der Zeit, wann Schalke mit einem weiteren Tor klare Verhältnisse schaffen würde. Doch es kam anders. Als es die Borussen ausnahmsweise mal mit einem Angriff versuchten, gelang dem eingewechselten Mohamed Zidan prompt der Ausgleich. Wenig später hätte der Ägypter das Spiel beinahe vollends auf den Kopf gestellt, doch er scheiterte an Torhüter Manuel Neuer. Die spät erwachte Angriffslust reichte dem BVB letztlich zu einem Punkt, weil Schalke die Chance vergab, das Spiel frühzeitig für sich zu entscheiden und damit für ein bisschen Ruhe in Gelsenkirchen zu sorgen.

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