Sport : Kurven und Kompromisse

Wie den drei WM-Favoriten die Formel-1-Strecke in Indianapolis liegt

Hartmut Moheit,Karin Sturm

Von Hartmut Moheit

Und Karin Sturm

Indianapolis/Berlin. Alles schon einmal da gewesen in der Formel 1. In der Saison 1986 war es, als sich Nelson Piquet und Nigel Mansell mit Alain Prost um den Weltmeistertitel stritten. Am Ende siegte der Franzose Alain Prost als Außenseiter in einem spannenden Finalrennen in Australien. Diesmal, bei den noch ausstehenden Rennen in Indianapolis und in Suzuka, könnte es zwischen drei Fahrern ähnlich knapp werden. Auch wenn der Stand der WM-Wertung dafür spricht, dass die Weltmeisterschaft nur noch zwischen Michael Schumacher im Ferrari (82 Punkte) und Juan Pablo Montoya im BMW-Williams (79 Punkte) entschieden wird. Dem Finnen Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes (75 Punkte) werden nur noch Außenseiterchancen eingeräumt. Wichtig wird sein, wie die drei Teams am Sonntag mit dem Rennoval in Indianapolis zurechtkommen.

Auf dieser Strecke sind Kompromisse gefragt. Mit etwa 23 Sekunden können die Autos auf dem 4,2 Kilometer langen Kurs im Vergleich zu den anderen Formel-1-Kursen am längsten Vollgas fahren. Andererseits verlangen die 13 Kurven, dass die Formel-1-Boliden große Bodenhaftung haben. Das jedoch steht im Widerspruch zum geringen Luftwiderstand, welchen die Autos benötigen, um die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Die Rennstrategen stehen vor einem schwierigen Kompromiss. Wie gehen die drei WM-Favoriten damit um?

Michael Schumacher hat in Indianapolis von den drei Kandidaten am meisten Erfahrung. Als Einziger fuhr er schon dreimal in Indianapolis, was aber angesichts der nicht besonders schwierigen Strecken-Charakteristik nicht so sehr ins Gewicht fällt. Viel wichtiger wird die Abstimmung des Autos sein. Schumacher zählt Indianapolis zu den schnellen Strecken, die dem Ferrari nicht so gut liegen sollten. Und wie letztlich die Bridgestone-Reifen in den vielen engen Kurven reagieren werden, ist auch vom Wetter abhängig. Für manche gilt Schumacher deshalb in Indianapolis als Außenseiter. Aber auch als Zweiter hinter Montoya behielte er die WM-Führung. Das große Finale am 12. Oktober in Suzuka ist dann auf jeden Fall wieder seine Strecke.

Juan Pablo Montoya ist, wie er sagt, „heiß wie nie auf einen Sieg“. Er startete bisher zweimal auf dem Formel-1-Kurs von Indianapolis. Seine bisherigen Ergebnisse waren schlecht: ein Motorschaden 2001 und ein verpatztes Rennen 2002, als er mit dem Teamkollegen Ralf Schumacher kollidierte und das Team den Boxenstopp verpatzte. Trotzdem ist sein Team sehr zuversichtlich. Williams-Chefkonstrukteur Patrick Head sagt: „Die Strecke sollte unserem Auto liegen, wir können Power ausspielen, und die jüngsten Tests waren sehr vielversprechend.“ Auch Montoya sagt, dass er mit der Strecke gut zurechtkäme. Mittlerweile soll sein BMW-Williams mit 920 PS angetrieben werden. Damit kann Ferrari auf dem Highspeedkurs nicht aufwarten.

Kimi Räikkönen fuhr von allen drei Kandidaten in Indianapolis bisher die wenigsten Kilometer. Bei zwei Starts erreichte der Finne nie das Ziel. Aber auch wenn Räikkönen persönlich beim USA-Grand-Prix noch keine zählbaren Resultate zu verbuchen hat, McLaren kommt dort meist gut zurecht. „Unser diesjähriges Auto sollte gut auf diese Strecke passen“, sagt Räikkönen. Die zuletzt gefundenen Verbesserungen sollten sich in Indianapolis deutlich stärker auswirken als noch beim Rennen in Monza. Eher ruhig und abwartend ging Räikkönen zuletzt seine Rennen an – das könnte sich am Ende auszahlen. Die Außenseiterrolle liegt ihm. „Da kann ich wenigstens in Ruhe meine Arbeit machen.“ Was ihn auch noch optimistisch stimmen sollte: Auch 1986 gewann derjenige, mit dem die wenigsten rechneten.

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