Sport : Lächeln unter Verdacht

Robert Ide

über das Kartellamt und die WM-Freundlichkeitskampagne Vielleicht ist ja alles mit rechten Dingen zugegangen. Eine Kampagne für lächelnde Taxifahrer und englisch sprechende Hotelangestellte hat Deutschland vor der Fußball-WM 2006 sicherlich nötig; und wenn man vielen mit dieser Idee beschäftigten Jury-Mitgliedern glauben darf, hatte die Münchner Agentur von Andreas Abold das beste Konzept dafür. Kein Wunder also, dass Abold den Millionenauftrag von der Deutschen Zentrale für Tourismus zugesprochen bekam. Schließlich kann seine Agentur viele Erfahrungen mit sportlichen Großveranstaltungen vorweisen. Für die WM 2006 durfte Abold zum Beispiel das offizielle Logo miterfinden.

Man kann die Sache auch anders sehen. Schon das bunte Smiley-Logo war für viele keine Glanzleistung. Und Abold ist ein alter Geschäftskumpel von Fedor Radmann, der wiederum enger Freund von WM-Chef Franz Beckenbauer ist. Wurde hier also einem guten Bekannten ein Auftrag zugeschanzt? Saßen vielleicht deshalb Fedor Radmann, offiziell WM-Berater, und seine Frau Michaela, offiziell Tourismus-Beauftragte der WM, in der Jury? Die Fragen drängten sich so sehr auf, dass das Kartellamt nun eine Prüfung der Vergabe verlangt.

Vielleicht kommt bei dieser Prüfung das gleiche Ergebnis heraus wie zuvor. Vielleicht muss sich die Jury gar nicht mehr mit der Kampagne beschäftigen. Vielleicht ist also alles mit rechten Dingen zugegangen. Dennoch: Auf einer WM, die mit öffentlich finanzierten Kampagnen unterstützt wird, darf nicht einmal der Verdacht einer Mauschelei liegen. Ein „vielleicht“ ist schon zu viel.

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