Sport : Länder fordern Sperrminorität bei Sportfusion

Christian Tretbar

Frankfurt am Main - Die Chance für eine Fusion zwischen den beiden großen deutschen Sportverbänden, Deutscher Sportbund (DSB) und Nationales Olympisches Komitee (NOK), bleibt groß. Dieses Fazit zog Ekkehard Wienholtz, Sprecher der Landessportbünde, nach einem Gespräch mit dem Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Jacques Rogge am Dienstagabend in Frankfurt am Main. „Wir wollten das Gespräch, weil wir im neuen Verband unsere Einflussmöglichkeiten schwinden sehen“, sagte Wienholtz. An dem einstündigen Treffen nahmen auch DSB-Präsident Manfred von Richthofen, das deutsche IOC-Mitglied Thomas Bach sowie NOK-Chef Klaus Steinbach teil.

Rogge hat nach Angaben von Teilnehmern deutlich gemacht, dass die Fachverbände der olympischen Sportarten in der neuen Mitgliederversammlung die Mehrheit haben müssen, damit der fusionierte Verband der IOC-Charta entspricht. „Für uns Landessportbünde geht es darum, unseren Einfluss zu wahren“, sagte Wienholtz. Der Chef des Landessportbundes Schleswig-Holstein schlug ein Modell vor, Entscheidungen etwa im Breiten- und Gesundheitssport nicht mit einer Mehrheit von 50 plus ein Prozent der Stimmen zu treffen. Stattdessen wäre eine Zweidrittelmehrheit denkbar. Die Landessportbünde, für die 35 Prozent der Stimmen vorgesehen sind und die jetzt im DSB über 47 Prozent der Stimmen verfügen, hätten damit eine Sperrminorität. „Ich meine, dass die IOC-Charta ein solches Szenario zuließe“, sagte Wienholtz. Rogge habe aber diesen Vorschlag nicht kommentiert.

Problematisch ist für die Landessportbünde auch der Zeitplan für die Fusion. Der sieht vor, dass sich am 10. Dezember NOK und DSB auflösen, um den Weg für den neuen Sportbund freizumachen. „Laut DSB-Satzung müssen die fertigen Satzungsentwürfe acht Wochen vor der Mitgliederversammlung, also bis zum 10. Oktober, bei den Verbänden sein“, sagte Wienholtz. Der Zeitplan soll am Donnerstag Thema beim so genannten Fusionsgipfel mit allen Sportverbänden und Landessportbünden in Frankfurt am Main sein. „Das wird eine wichtige Runde“, sagte DSB-Präsident von Richthofen.

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