Sport : Lärmen lernen

Vor dem Spiel gegen Düsseldorf hofft Thunder, dass die Berliner Fans zur richtigen Zeit jubeln

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Der Lärm ist kaum auszuhalten. Die Fans brüllen ununterbrochen, während der gegnerische Quarterback versucht, seinen Mitspielern etwas zu erklären. Die können ihren Spielmacher aber kaum verstehen, und der Spielzug misslingt. So stellen sich die Verantwortlichen der Footballmannschaft von Berlin Thunder das Heimspiel gegen Rhein Fire Düsseldorf im Olympiastadion vor (heute, 18.00 Uhr).

Tatsächlich erreicht die Geräuschkulisse im meist spärlich gefüllten Stadion nur gelegentlich höhere Dezibel-Zahlen. Dann, wenn das Spiel wirklich spannend ist. Doch schon das scheint der Berliner Defensive zu helfen. Ist der Gegner im Ballbesitz, werden die Fans vom Stadionsprecher, den Cheerleadern und mittels Rockmusik dazu animiert, möglichst viel Krach zu machen. „Besonders bei entscheidenden Spielzügen merkt man, dass der gegnerische Quarterback Kommunikationsprobleme bekommt, weil es so laut ist“, sagt Berlins Rich Scanlon, der gerade zum besten Defensivspieler der Woche in der NFL-Europe gewählt wurde. Scanlon ist bereits der vierte Thunder-Profi, der diese Auszeichnung in der laufenden Saison bekommen hat.

Die Verteidigung ist ein Grund, warum die Berliner gute Chancen auf das Erreichen des Endspiels haben, dem World Bowl am 11. Juni in Düsseldorf. Der zweite Grund ist die Heimstärke: Während Thunder auswärts in drei Saisonspielen bereits 82 Punkte hinnehmen musste, waren es im Olympiastadion bei derselben Anzahl von Spielen erst 36. Seit neun Spielen sind die Berliner daheim ungeschlagen. Käme heute gegen Düsseldorf noch ein Sieg hinzu, wäre das neuer Rekord in der NFL-Europe.

Im Angriff müssen die Berliner allerdings auf einen ihrer wichtigsten Spieler verzichten: Michael Jennings fehlt wegen einer Gehirnerschütterung, die er sich vergangene Woche in Köln zugezogen hat. Der Passempfänger erzielte bereits drei Touchdowns und fing den Ball 25-mal, wobei er 416 Yards an Raum gewann.

Jim Tomsula ist dennoch zuversichtlich. Tomsula ist seit anderthalb Jahren Defensivkoordinator bei Thunder und führt die Heimstärke seiner Mannschaft auf zwei Faktoren zurück. „Zum einen sind es unsere schlauen Fans, die nur dann Lärm machen, wenn der Gegner den Ball hat“, sagt Tomsula. In anderen Stadien sei das nicht so. „Zum anderen werden unsere Spieler allein von der Ausstrahlung des Olympiastadions motiviert.“

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