Lance Armstrong : Tour de Twitter

Lance Armstrong droht wegen einer verzögerten Dopingprobe der Tour-Ausschluss – das wäre für den Radsport schlimmer als für ihn. Der siebenmalige Sieger bastelt auch mit Hilfe neuer Medien längst an seiner nächsten Karriere.

Mathias Klappenbach
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Unter Kontrolle. Lance Armstrong hat eine Dopingprobe verzögert. Foto: dpa

Lance Armstrong will ehrlich sein. Er habe am Wochenende nicht den Radklassiker Paris–Roubaix verfolgt, sondern das Masters-Turnier im Golf spannender gefunden, teilt er per Kurznachricht über den Informationsdienst Twitter mit. 573 048 sogenannte Follower haben sich dort registriert, um mehrmals am Tag in der Länge einer SMS zu erfahren, was Armstrong gerade Unwichtiges und potenziell Interessantes mitzuteilen hat. In den vergangenen Tagen war er bei einem Konzert des Sängers Conor Oberst (es war überwältigend), hat nach seinem Schlüsselbeinbruch in Aspen/Colorado im Schnee wieder auf dem Rad trainiert (Fotos hat er im Internet hochgeladen), hat ein tolles Café gefunden (dessen Homepage nach Armstrongs Nachricht wegen der vielen Zugriffe erst einmal lahmgelegt war), beklagt den ungerechten Tod des krebskranken britischen Big-Brother-Stars Jane Goody (die Jade hieß) und fragt sich auch, warum die Schiffe in Somalia nicht mehr Sicherheitskräfte an Bord haben (die Antwort auf die Probleme dort scheine doch so einfach).

Versteckt zwischen all diesen Mitteilungen handelt Armstrong das Thema ab, das er als „Showergate“ bezeichnet und das seine groß inszenierte Rückkehr in den Radsport schon bald wieder beenden könnte. Denn der siebenmalige Gewinner der Tour de France könnte Anfang Mai für alle Rennen in Frankreich gesperrt werden. Nach Auffassung der Französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) hat er am 17. März bei einem Test in Frankreich gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen, als er einen Kontrolleur 20 Minuten lang warten ließ. Auch in Deutschland weiß spätestens seit der Affäre um die Fußballer der TSG Hoffenheim jeder, dass man in dieser Zeitspanne eine spätere Probe manipulieren kann. Armstrong sagt, er habe erst telefonisch klären lassen, ob der Kontrolleur legitimiert sei und sei duschen gegangen. Unmittelbar danach beschwerte sich Armstrong via Twitter, dass dies bereits die 24. unangemeldete Kontrolle sei. Die Urin-, Blut- und Haarproben waren negativ, dennoch erwägt die AFLD wegen der Verzögerung eine Sperre ihres Lieblingsverdächtigen Armstrong. Der Radsport-Weltverband, der sich von Armstrongs Rückkehr neue Aufmerksamkeit für die darbende Sportart verspricht, kündigte bereits an, die weltweite Geltung einer Sperre anzufechten. Entscheidend ist für Armstrong aber der französische Boden, über den neben der Tour auch eine Etappe des Giro d’Italia im Mai führt, den Armstrong auch fahren will. Hier ist die AFLD zuständig.

Lance Armstrong sagt, dass er vor allem in den Radsport zurückgekehrt sei, um für seine Krebsstiftung zu werben. Und der Mann, der schon vor seinem Rücktritt 2005 die beste PR-Maschinerie im Profisport betrieb, hat es geschafft, seine sportliche Rückkehr untrennbar damit zu verbinden. Seine in den Twitter-Meldungen verlinkten Video-Botschaften erscheinen auf der Homepage seiner Stiftung.

Armstrong erreicht für sich genau jene Aufmerksamkeit, die der Radsport eigentlich durch Armstrong gewinnen will. Die Tour-Organisatoren haben erklärt, dass sie auf seine Teilnahme hoffen. Es scheint so, als ob Armstrongs Teilnahme für sie wichtiger ist als für den Texaner selbst. Der hat schon öfter durchblicken lassen, dass er einmal Politiker werden will. Er arbeitet dran. Auch per Twitter.

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