Sport : Langlauf: Der Rebell regiert

Ausgerechnet der ewige Rebell Jochen Behle soll mit dem langfristig angelegten "Konzept 2002" die deutschen Langläufer wieder in die Erfolgsspur führen. Der sechsmalige Olympia-Starter ist im Deutschen Skiverband (DSV) zum Weltcup-Koordinator avanciert und damit für das Abschneiden des deutschen Teams verantwortlich, das heute in Beitostoelen (Norwegen) in die Saison startet.

"Wir wollen nicht mehr um Platz 25 rennen", sagt Behle, der eine neue Philosophie verfolgt. "Wir brauchen Platzierungen unter den Top 15. Nur wer die schaffen kann, wird künftig im Weltcup starten", kündigt er an. Das traut Behle derzeit nur den beiden Oberweißenbrunnern Andreas Schlütter und Rene Sommerfeldt zu, die deshalb in Beitostoelen ein deutsches Miniteam bilden. Die DSV-Damen haben noch Pause, sie greifen erst nach einer nochmaligen internen Leistungskontrolle Anfang Dezember in das Geschehen ein.

Der Willinger Behle, der selbst in seiner aktiven Zeit viele Jahre abseits des DSV-Einflussbereiches ein individuelles Training bevorzugte und dabei oft mit den Funktionären im Clinch lag, beginnt seine DSV-Trainerkarriere mit einem System der gestärkten Stützpunkte. Die Trainer Heinz Nestler (Oberwiesenthal), Cuno Schreyl (Oberhof) und Peter Kösel (Bayern) bereiten ihre Athleten selbstständig auf bestimmte Wettkampf-Höhepunkte vor.

Speziell die Youngster um Junioren-Weltmeister Axel Teichmann (Lobenstein) sollen im Weltcup nicht verheizt werden, sondern zielgerichtet nur wenige Einsätze bestreiten. "Die Sportler werden genau wissen, wann sie ihre Chance bekommen und müssen diese dann auch nutzen", sagt Behle. "Die Stützpunkt-Trainer entscheiden letztlich darüber, wer das Niveau hat, und wer eben noch nicht."

Insgesamt jedoch hält Behle die Gewaltenteilung trotz der funktionierenden Zusammenarbeit für eine Übergangssituation. Nach 2002 will er im Trainerstab zugunsten des Techniker-Bereiches einsparen. Abwarten will Behle, welche Eigendynamik der Langlauf-Sprint entwickelt, für den bei der Weltmeisterschaft in Lahti vom 15. bis 25. Februar 2001 erstmals WM-Medaillen vergeben werden. Zurzeit weigert sich der DSV auch aus Kostengründen, überhaupt eine Sprint-Mannschaft aufzubauen. "Da herrscht im Weltverband große Konfusion. Die Entwicklung des Sprints ist absolut noch nicht abzusehen", sagt Behle. Dem Kurzstrecken-Spezialisten, Behles ehemaligen Hirschauer Staffel-Gefährten Peter Schlickenrieder, sollen aber zu den entscheidenden Rennen spurtstarke Langläufer zur Seite gestellt werden.

Der achtmalige Olympiasieger Björn Dählie aus Norwegen verzichtet wegen einer noch immer nicht ausgeheilten Rückenblessur auf den Start, so dass vor allem der in der letzten Saison lange pausierende Finne Mika Myllylä als Favorit auf WM-Ruhm gilt. Johann Mühlegg, der für Spanien startende deutsche Weltcup-Gesamtsieger der Vorsaison, muss auch wieder mit Olympiasieger Thomas Alsgaard (Norwegen) kämpfen, der nach langer Verletzung wieder einsatzbereit ist. Bei den Damen ist erneut ein Duell der Läuferinnen aus Russland und Norwegen zu erwarten.

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