Sport : Langsam talwärts

Erstmals seit 22 Jahren werden die deutschen Alpin-Skifahrer wohl ohne Medaille bleiben

Benedikt Voigt[Sestriere]

Seinen Humor hat Wolfgang Maier in Sestriere noch nicht verloren. Der Bundestrainer der deutschen Alpin-Skifahrerinnen hat auf seinem Stirnband den Namen seines Sponsors leicht verändert, aus dem U formte er mit Klebestreifen ein N. „Andi“ ist nun auf seiner Stirn zu lesen. „Ich habe das gemacht, weil ich die Regeln des IOC eine Verarschung finde“, sagt Maier. Bei den Olympischen Winterspielen dürfen nur offizielle olympische Sponsoren werben, alle anderen müssen unkenntlich gemacht werden. Wie aber erklärt er dem IOC sein nur leicht abgewandeltes Kopfband? „Der Andi ist mein Abfahrtstrainer“, sagt Wolfgang Maier „und ich bin sein größter Fan.“

Weitere Fans dürfte die deutsche Alpinmannschaft bei den Olympischen Winterspielen von Turin allerdings nicht gewonnen haben. Bisher steht Petra Haltmayrs sechster Platz in der Abfahrt als bestes deutsches Ergebnis in den Listen. Das deutsche Alpinteam droht erstmals seit 22 Jahren von Olympischen Winterspielen ohne Medaillen heimzukehren. In Salt Lake City hatte Martina Ertl Bronze in der Kombination gewonnen. „Wir sind nicht mit großen Erwartungen hergefahren“, sagt Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV). Zwei Gelegenheiten gibt es für die Alpinen noch, vielleicht doch nicht ganz leer auszugehen. Eine kleine Medaillenchance besitzt Alois Vogl am Samstag im Slalom. Für den heutigen Riesenslalom (9.30 Uhr erster Lauf, live im ZDF) sieht es für Martina Ertl-Renz und Annemarie Gerg schlecht aus. „Auch mit äußerstem Wohlwollen sehe ich keine Chance“, sagt Bundestrainer Maier, „wir hatten im Weltcup keine Ergebnisse unter den Top Ten.“

Das Team konnte den Ausfall von Hilde Gerg (verletzungsbedingtes Karriereende) und Maria Riesch (Kreuzbandriss) nicht kompensieren. „Jede wäre für zwei Medaillen gut gewesen“, glaubt Alfons Hörmann. So aber müssen die Alpinen mit Kritik leben. Hermann Weinbuch, Bundestrainer der Kombinierer, zweifelt gar öffentlich den Stellenwert der Alpinen an. Seine Athleten, die drei Medaillen in Turin holten, erhalten vom Verband insgesamt nur 1,3 Millionen Euro, die Alpinen werden mit sechs Millionen Euro unterstützt. „Ich halte nichts von solchen Rechenspielen“, sagt DSV-Präsident Hörmann.

Auch wenn das deutsche Alpinteam erfolglos aus Sestriere heimkehrt, wird sich an seinem herausragenden Status im DSV nichts ändern. „Es wäre falsch, die Gelder zu kürzen, nur weil die Medaillen fehlen“, sagt Hörmann. Die alpine Leistungssportabteilung hat für ihn eine hohe strategische Bedeutung. Auch aus Imagegründen. „Das ist der Sport, mit dem sich die Masse der Menschen identifiziert.“

Um künftig wieder Erfolge zu erzielen, setzte sich Sportdirektor Thomas Pfüller gestern zu ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen zusammen. Es werde personelle und strukturelle Veränderungen geben, sagte Hörmann, allerdings nicht so sehr auf der Ebene der Bundestrainer. „Wenn man in der Spitze nicht die tollen Läufer hat, dann kann man, salopp gesagt, hinstellen, wen man will“, sagt der DSV-Präsident, „wir müssen vielmehr das Nachwuchskonzept optimieren.“

Die Verbindung zwischen Landesverbänden und Bundesverband solle künftig verbessert werden, genauso wie die Förderung bei Jugendlichen unter 14 Jahren. In den letzten Jahren hat der DSV schon verstärkt in den Nachwuchs investiert, die Jahrgänge 1987/88 erzielen bereits erste Erfolge. Für Vancouver 2010 macht sich Hörmann aber noch nicht zu große Hoffnungen: „Das wird eher in acht Jahren als in vier Jahren Früchte tragen.“

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