Sport : Lauter Brasilianer

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Zurück zur EM. Nun, da sich die Finalteilnehmer finden und sich die Akte Bundestrainersuche vernünftig zu schließen scheint. Zurück zur EM und zu dem Satz Franz Beckenbauers, wir würden nie sein wie Brasilianer. Man kann den Satz, das lehrt die EM schon heute, getrost als typischen Firlefranz abtun, nie war er so falsch wie heute. Denn hier bei der EM tanzen keine brasilianischen Gene (allenfalls beim einportugisierten Deco), hier tanzen Prager, Lissaboner, Amsterdamer, Stockholmer, Kopenhagener, Londoner nach brasilianischer Weise.

Will sagen: Diese EM ist deshalb so schön, weil – mal abgesehen von der griechischen Laune der Natur – weitgehend offensiv gespielt wird. Offensiv gespielt wird, weil das Gros der Spieler über die entsprechende Technik verfügen, den Gegner mit hohem Tempo zu überlaufen. Oder anders ausgedrückt: Europas beste Fußballspieler sind zum Ursprung des Spiels zurückgekehrt, zur Beherrschung des Balles.

Filigrane Ballbeherrschung, das ist die taktische Innovation, die diese EM lehrt, und wohl keine fußballerische Neuerung der Neuzeit war schöner anzusehen. Es ist eine globale Innovation, wie auch die Primärtugenden Disziplin und Kampfkraft nicht mehr deutsch sind, sondern internationalisiert. Filigrane Ballbeherrschung, die hat nichts mit der geografischen Herkunft zu tun, die hat zu tun mit Üben von Kindesbeinen an. Auch wir können wie Brasilianer sein, wir müssen nur üben. Zugegeben, sehr, sehr viel üben. Und das ist das Gebot der Zukunft, ob der Bundestrainer nun Hitzfeld heißen wird oder der Präsident nicht mehr Mayer-Vorfelder. Üben, üben, üben, auf dass wir werden wie die Tschechen, Portugiesen, Holländer ...

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