Sport : Lauter Frühling

Der Radsport erhält zu Beginn der Saison mehr Aufmerksamkeit, als ihm lieb sein kann

Mathias Klappenbach

Berlin - Was macht eigentlich Jan Ullrich? Normalerweise kommt der Radsport in dieser Jahreszeit nur mit dem aktuellen Übergewicht des deutschen Stars in die Schlagzeilen. Seine Teamkollegen beim T-Mobile-Team fahren dann bei den Frühjahrsklassikern und anderen Rennen Siege für die stärkste Mannschaft der Welt ein, Lance Armstrong ist auch dabei und rollt sich im hinteren Feld für den nächsten Tour-Sieg ein. Doch in diesem Jahr ist das Frühjahr aufregender, wenn auch nicht in positivem Sinn.

T-Mobile hat noch nicht eine einzige Etappe irgendwo gewonnen, es ist der schlechteste Saisonstart seit 1992. Der neue Teammanager Olaf Ludwig hat die Mannschaft in der vorigen Woche öffentlich kritisiert, nachdem sich seine Profis bei dem prestigeträchtigen Rennen „Rund um Köln“ von dem früher bei T-Mobile nicht für gut genug befundenen David Kopp vom Team Wiesenhof abhängen ließen. „In Köln hat die Einstellung der Mannschaft nicht gestimmt, darüber sind wir enttäuscht“, sagte Ludwig. Das Team hat mit vielen Verletzungen zu kämpfen, auch der sonst für Siege zuständige Erik Zabel ist nach seinem Fersenbeinbruch noch nicht wieder so stark wie gewohnt. Trotz dieser Erklärungen spüren die Fahrer bereits großen Druck. Heute bei der Flandern-Rundfahrt hofft das ganze Team darauf, dass Steffen Wesemann seinen Sieg aus dem Vorjahr bei dem legendären Rennen wiederholen kann. „Die Ergebnisse entsprechen bisher nicht dem Aufwand des Sponsors“, sagt Routinier Rolf Aldag. „Die Lage ist ernst.“

Das ist sie auch für das andere deutsche Weltklasseteam. Im Gegensatz zu T-Mobile konnte Gerolsteiner in den ersten beiden Monaten der Saison an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen. Das Team schien schon auf dem Weg, den großen nationalen Konkurrenten in diesem Jahr herauszufordern. Bis am Donnerstagabend die Nachricht von den beiden positiven Dopingproben Danilo Hondos eintraf. Hondo hatte bei der Murcia-Rundfahrt Anfang März zwei Etappen gewonnen. Dort wurde der Sprinter dreimal getestet, beim zweiten und dritten Test wurde in der A-Probe ein Stimulanzmittel nachgewiesen. Nach dem Reglement der in diesem Jahr neu eingeführten Pro-Tour mit den wichtigsten 29 Rennen und Rundfahrten kann Hondo schon für die positive A-Probe zwei Jahre lang gesperrt werden.

Hondo, der seine Unschuld beteuert, wurde von Gerolsteiner sofort suspendiert. In der nächsten Woche wollen Team und Fahrer „wissenschaftlich ergründen“, wie das Testergebnis zu erklären sei. Wann die B-Probe geöffnet wird, ist noch nicht entschieden. Der 31-jährige Cottbuser steht vor dem Ende seiner Karriere, das Team Gerolsteiner und der deutsche Radsport vor einem großen Imageschaden. Einen solchen versucht Lance Armstrong gerade abzuwenden, indem er einen ehemaligen Betreuer verklagt. Dieser behauptet jetzt vor Gericht, dass er bei Armstrong Dopingmittel gesehen habe. Es ist nicht das erste Mal, dass ehemalige Mitarbeiter des sechsmaligen Siegers der Tour de France solche Anschuldigungen erheben, doch nachgewiesen wurde Armstrong bisher nichts. Mehr Aufregung löste da schon die verklausulierte Ankündigung des Texaners aus, nach der Tour im Juli seine Karriere zu beenden.

Mit der Einführung der Pro-Tour wollte der Radsport mehr Transparenz schaffen und mehr Aufmerksamkeit für den Sport gewinnen. Die ist zumindest in Deutschland im Moment vorhanden, wenn auch auf ungewollte Weise. Jan Ullrich meldet aus dem Trainingslager übrigens, das alles gut läuft. Auch das Gewicht stimmt. Am Dienstag startet er bei der Sarthe-Rundfahrt in Frankreich in die Saison.

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