Sport : Lebenslänglich Union

Der Fußball-Zweitligist kreiert eine neue Dauerkarte

Karsten Doneck

Das Plakat verheißt nichts Gutes. „Jetzt kriegen Sie lebenslänglich“, steht da in weißen Buchstaben auf rotem Untergrund. Dabei hat der 1. FC Union nichts Böses im Sinn. Der Fußball-Zweitligist wirbt auf diese Weise lediglich für ein ab sofort käufliches Spezialticket, mit dem sich der Fan freie Mitgliedschaft im Verein und freien Eintritt bei allen Heimspielen sichern kann – und zwar lebenslang! Egal, ob der Verein nun in der Bundesliga oder der Kreisliga B kickt. Da Union in der abgelaufenen Saison von 17 Heimspielen ganze drei gewinnen konnte, ist der Vergnügungsfaktor bei der „Eisern-Card“, so der Name des guten Stückes, allerdings nicht unbedingt immer gewährleistet.

Die Lebenslang-Karte ist zudem nicht billig. Sie kostet 4444 Euro für einen Sitzplatz – für dieses Geld gibt es schon komplette Einbauküchen – und 2222 Euro für den Stehplatz. Findige Köpfe bei Union haben errechnet, ab wann sich die Karte für den Käufer rentiert. Marketing-Chef Ralf Büttner sagt: „Beim jetzigen Preis rechnet sich das nach ungefähr zehn Jahren, bei einem zu erwartenden leichten Preisanstieg nach sieben bis acht Jahren.“

Der Verkauf ist limitiert auf 2000 bis 3000. Mehr geht nicht. „Wir können doch unsere Zuschauereinnahmen nicht schon auf Jahre hinaus verfrühstücken“, sagt Präsident Heiner Bertram. „Wir möchten aber unsere Fans enger binden und neue Liquidität schaffen für den Verein.“ Ein erster Verkaufsschub soll 100 000 Euro in die Kasse bringen, „bei vorsichtiger Kalkulation“, sagt Büttner.

Nun hat nicht jeder Union-Fan über 2000 Euro daheim griffbereit in der Zuckerdose im Küchenschrank versteckt. Union weiß Rat: Der Betrag für die Karte kann über maximal drei Jahre in Raten abgestottert werden, zinsfrei. 62 Euro für den Stehplatz pro Monat, etwa das Doppelte für den Sitzplatz wären da fällig.

Gestern früh ging die erste „Eisern-Card“ bereits über den Tresen der Geschäftsstelle. Den Namen des Käufers hält Union geheim. Aus gutem Grund. Ralf Büttner sagt: „Man weiß ja nie: Nachher hat der seiner Frau zu Hause gar nichts erzählt, und die fällt dann aus allen Wolken, wenn sie in der Zeitung liest, dass ihr Mann da mal eben über 4000 Euro ausgegeben hat.“

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